10. Juli 2012 - 13:31 | DerOnlineTutor
Mehr Geld für die Universitäten durch die stärkere Erschließung privater Finanzierungsquellen wie Studiengebühren oder Stiftungsgelder sowie die Einführung von Zugangsregeln und einer Studienplatzfinanzierung empfiehlt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in seiner Studie "Hochschulen 2025". Die zuletzt beschlossene "Hochschulmilliarde" von 2013 bis 2015 sei "sicher ein richtiger Schritt, aber nicht genug", so Wifo-Chef Karl Aiginger bei einer Pressekonferenz am 10. Juli. Vor allem die im internationalen Vergleich niedrigen privaten Ausgaben für den Hochschulsektor müssten steigen.

Derzeit werden in Österreich nur elf Prozent der Hochschulausgaben privat finanziert: Zum Vergleich: Im EU-Schnitt sind es 22 Prozent, im OECD-Schnitt 31 Prozent. Aiginger plädierte daher für Studiengebühren mit einem entsprechenden Stipendienmodell. Daneben müssten aber auch andere private Einnahmequellen erschlossen werden: So beginne sich in Österreich gerade erst eine Alumni-Kultur zu etablieren. In anderen Staaten sei es gang und gäbe, dass Absolventen um Spenden gebeten würden. Es gebe auch keine größere TV-Sendung a la "Licht ins Dunkel", in der man für die Hochschulen spenden könne.
Stiftungen anzapfen
Anzapfen will Aiginger auch Stiftungen. "Stiftungen sind grundsätzlich, wie ich gehört habe, dazu da, um soziale Zwecke zu erfüllen - in Österreich sind sie da, um Steuern zu sparen." Anders als in den USA gebe es in Österreich kaum Hörsäle, die nach Spendern oder Unternehmen benannt sind bzw. Stiftungsprofessuren. Bei entsprechenden Regelungen müsse man auch keine zu hohe Einflussmöglichkeiten der Stifter befürchten. "Wenn man den Anfang nicht macht, braucht man das Ende nicht zu fürchten. Wenn die USA 50 Prozent schaffen, werden wir 15 Prozent auch hinkriegen." Würde das entsprechende Geld in politische Parteien oder Sportvereine fließen, würde es dort "viel größeren Schaden anrichten".
Die von der Regierung angestrebte Steigerung der Hochschulausgaben auf zwei Prozent des BIP bis 2020 (derzeit 1,4 Prozent) hält das WIFO im Vergleich zu anderen kleinen Ländern für "nicht sehr ambitiös". Dazu müssten die Ausgaben von derzeit 4,4 auf 8,4 Mrd. Euro jährlich wachsen, was jährliche Mehrausgaben von anfänglich 300 Mio. Euro bis 600 Mio. Euro gegen Ende des Jahrzehnts impliziert.
Dazu hat das WIFO auch verschiedene Studiengebühren-Szenarien durchgerechnet - jeweils eines, um den Anteil der öffentlichen Finanzierung an den Hochschulausgaben konstant zu halten (89 Prozent) bzw. um auf EU-Niveau (78 Prozent) oder OECD-Niveau (69 Prozent) zu kommen. Sollen die Gebühren 100 Prozent der Finanzierungslücke abdecken, müssten sie bei konstantem Finanzierungsanteil 480 Euro pro Semester betragen, beim Erreichen des EU-Niveaus 1.840 Euro und beim OECD-Niveau 2.971 Euro. Alternativ müssten entweder anderer private Quellen wie Stiftungen, Unternehmen, Alumni etc. angezapft oder der öffentliche Anteil erhöht werden.
Studiengebühren sozial vertretbar
Das Wifo empfiehlt keine konkrete Höhe von Studiengebühren, hält diese aber auch vom sozialen Standpunkt für vertretbar. Das Lebenseinkommen von Akademikern sei um 40 Prozent höher als jenes von Maturanten, so Aiginger: Wenn man davon einen Teil zurückzahlen müsse, finde er das nicht unsozial.
Auch Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) nannte die Hochschulmilliarde einen "Beitrag": "Ich weiß auch, es ist zu wenig." Gegen ein stärkeres Engagement von Privaten hätte auch er nichts einzuwenden: "So wie man einen Fußballklub sponsert, kann man auch eine Uni sponsern und würde damit mindestens das Dreifache einheimsen." Zur Effizienzsteigerung an den Unis hat sich der Minister für den Herbst Änderungen im Studienrecht vorgenommen. Derzeit sei hier vieles "sehr liberal" geregelt, so könnten Studenten etwa unendlich viele Studien nebeneinander inskribieren. Außerdem würde von 300.000 Studenten ein Drittel nur sehr wenig Aktivität zeigen (APA/red, Bild APA/Pfarrhofer).
Update:
Reaktion der ÖH auf die Studie
Wifo-Studie: Zustimmung bei den Rektoren
http://www.studium.at/177477-reaktion-der-oeh-die-wifo-studie
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