Studium.at
3591 aktuelle Jobinserate in der Jobbörse
573 aktuelle Wohnungen & WGs in der Wohnungsbörse

Hochschulfinanzierung

Hochschulberater sieht in Europa Potential für Studiengebühren

Die Universitäten in Europa würden nie mehr so viele öffentliche Mittel erhalten wie noch vor einigen Jahren. Ein Ausweg seien Studiengebühren, die in Verbindung mit Stipendien und Zuschüssen auch keine Zugangshürde darstellen würden.

Gleichzeitig müssten die Hochschulen aber auch auf die Ausgabenseite blicken, weil sie über Jahrzehnte Speck angesammelt hätten. Das stellte Alex Usher, Präsident eines Hochschulberatungsbüros in Kanada, am Montagabend beim ersten Funding Forum des Europäischen Universitätenverbandes (European University Association - EUA) in Salzburg fest.

Usher hat die Einnahmen- und Ausgabenstruktur in der internationalen Hochschullandschaft verglichen. Sein Fazit: Europa habe sehr angesehene und traditionsreiche Universitäten. Doch deren Angebot wäre - im Gegensatz zu vielen anderen Teilen der Welt - oft kostenlos. Es gebe durchaus Potenzial für Studiengebühren, meinte der Experte. Wenn man sie mit einem guten System an Stipendien, Darlehen oder Zuschüssen verbinde, dann seien Studiengebühren auch keine Zugangshürde. Ganz im Gegenteil, sie würden das System durchlässiger und effizienter machen, argumentierte Usher. Neben einer Anhebung von Studiengebühren könnten die europäischen Universitäten auch versuchen, mehr internationale Studierende anzuziehen, um ihre Einnahmen zu erhöhen.

Eines ist für Usher jedenfalls klar: So viel öffentliches Geld wie 2009 werde es für die Universitäten nie mehr geben. Bis zu diesem Jahr nämlich seien die öffentlichen Mittel gestiegen, dann kam die Trendumkehr. Seit dem Beginn der Finanzkrise seien die öffentlichen Ausgaben für den Hochschulbereich in vielen Ländern zurückgegangen oder würden stagnieren, was de facto ebenfalls eine Verringerung bedeute.

Wie sich diese Kürzungen konkret niederschlagen, machten einige Beispiele europäischer Hochschulen deutlich. Das Budget der Universität Valencia sei von 381 Mio. Euro im Jahr 2009 auf 344 Mio. Euro im Jahr 2012 gesunken, berichtete Vizerektorin Olga Gil Medrano. Investitionen wären dadurch nicht mehr möglich.

Panagiotis Niarchos von der Universität Athen erklärte, dass sich das operative Budget der Hochschule seit 2009 halbiert habe. Die Verantwortlichen der Universität hätten vor allem bei den Ausgaben angesetzt und das Lehrbudget weitgehend gleich gelassen. "Auch wenn wir in einer dramatischen Situation sind, bieten wir trotzdem eine Ausbildung auf einem sehr hohen Niveau an", meinte Niarchos. Die Ausgaben für Infrastruktur und Verwaltung seien stark gekürzt worden.

Im Hinterfragen von Ausgaben sieht auch Usher einen Schlüssel zur Verbesserung der Finanzsituation der Universitäten. "Bei der Bewältigung unserer Finanzsituation denken wir alle an die Einnahmenseite, wir müssen uns aber auch die Ausgaben genau ansehen", meinte der Universitätsberater. Die Universitäten hätten jahrzehntelang Speck angesetzt und seien nicht gezwungen gewesen, ihre Ausgaben zu durchforsten. Einiges Potenzial sieht der Hochschulberater beispielsweise in der Reduzierung von Kontaktzeiten zwischen Lehrenden und Studierenden. In Europa sei diese um 15 Prozent höher als in Nordamerika. Usher glaubt, dass die Talsohle bei den Finanznöten der Universitäten noch nicht erreicht ist. Aber er ist optimistisch, dass die europäischen Hochschulen die Krise auch als Chance nützen können.

Kritik an Überlegungen, die sinkenden öffentlichen Finanzierungen der Universitäten durch private Mittel zu ersetzen, übten Vertreter der Europäischen Studierenden (European Students Union - ESU). "Als Vertretung der europäischen Studierenden haben wir die europäischen Regierungen wiederholt aufgefordert, sich zu einer Erhöhung der staatlichen Finanzierung zu verpflichten und Hochschulbildung als öffentliches Gut und öffentliche Verantwortung hochzuhalten", sagte Rok Primozic, Mitglied des ESU-Vorstandes. Studiengebühren wären ein Hindernis für internationale Mobilität, betonte Brikena Xhomaqi, Zuständige für Mobilität und Hochschulfinanzierung der ESU. (APA/red, Bild: APA)

Diesbezüglich relevante Meldungen des Online-Tutors:

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen