6. Juni 2012 - 8:43 | Isabella
Für die Universitätenkonferenz (uniko) ist eine gesetzliche Regelung des Universitätszugangs mit Platzbeschränkungen in bestimmten Fächern wichtiger als Studiengebühren. "Zugangsregeln sind von entscheidender Bedeutung und wesentlich wichtiger als das derzeit im Zentrum stehende Thema der Studienbeiträge", so uniko-Präsident Heinrich Schmidinger bei einer Pressekonferenz am 5. Juni. Beim damit verbundenen Thema Studienplatzbewirtschaftung sieht er aufgrund der Differenzen zwischen VP und SP derzeit "keine Anzeichen" für eine baldige Realisierung. Dies sei ein "Rückschlag für die Unis".
Im Herbst 2010 sei bei einem "Uni-Gipfel" mit Bundeskanzler Werner Faymann (S) und dem damaligen Finanzminister Josef Pröll (V) die Einführung einer Studienplatzfinanzierung vereinbart worden, betonte Schmidinger. "Damit wäre natürlich auch eine Platzregelung verbunden gewesen." Die Unis hätten große Hoffnungen darauf gesetzt. Alle hätten auch gewusst, dass so ein Modell zunächst erhebliche Mehrkosten verursache - im Gespräch seien 250 bis 300 Mio. Euro gewesen.
Wieder keine Kapazitätsfeststellung
Stattdessen komme es nun im Rahmen der Verteilung der Hochschul-Strukturmittel in Höhe von 450 Mio. Euro zu einer Art "Bepreisung" einzelner Fächergruppen nach Labor- und Betreuungsintensität. Damit verteile man aber nur Budget innerhalb des derzeitigen Rahmens - und es komme wieder zu keiner Kapazitätsfeststellung. Selbst wenn dies geschehen würde, hätte es aber keine Konsequenzen: "Wenn ein völlig offener Zugang gewünscht ist, kann ich Kapazitäten feststellen, so viel ich will."
Bestes Beispiel sei das neue Gebäude der Wirtschaftsuniversität (WU). "Man nehme einen Kindergarten her oder ein Kino - da muss natürlich geschaut werden, auf wie viele Plätze das ausgelegt wird", so Schmidinger. "Bei der WU wird die Kapazitätsfrage dagegen völlig ausgelagert. Ob das Gebäude dann geeignet ist für das, was man von der Uni erwartet, wird gar nicht diskutiert." Wenn es nicht bald zu einer Kapazitätsfeststellung samt Zugangsregel komme, würden sich die Probleme der großen Unis nicht lösen lassen - egal, ob noch Geld dazukomme oder nicht.
Mit den nunmehrigen "doch beachtlichen" Mitteln aus der "Hochschulmilliarde" könnten die Unis realistischerweise nur den Status quo aufrechterhalten, betonte Schmidinger. Probleme ortete er neben den klassischen überlaufenen Fächern auch in jenen mit hohem Infrastrukturbedarf. An der Uni Salzburg etwa habe man in der Biologie zwar recht gute Betreuungsverhältnisse - es fehle aber an Laborplätzen für die Studenten.
System "höhlt sich aus"
Wenig Freude hat Schmidinger auch mit der geplanten Verordnung des Ministeriums zur Verteilung der Hochschul-Strukturmittel. Dabei würden die Unis für "prüfungsaktive Studierende" finanziell belohnt. "Wenn das nicht von einer Regelung der Studierendenzahlen begleitet wird, höhlt sich das System aus." Ein überlaufenes Fach werde weniger prüfungsaktive Studenten hervorbringen und kriege dafür am Ende noch weniger Geld: "Das ist ein ganz paradoxer Effekt, der nicht akzeptiert werden kann."
Bei den derzeit beginnenden Verhandlungen zu den Leistungsvereinbarungen (LV) müssten Unis wohl Klauseln aufnehmen für den Fall, dass die Studentenzahlen in bestimmten Fächern explodieren, kündigte Schmidinger an. "Dann muss festgehalten werden, dass die Verhandlungen neu angegangen werden." Ein Nicht-Unterschreiben der LV wäre für die Unis zwar eine Option - allerdings müsse man sich das genau überlegen. Folge wäre ein Notbudget für die betreffende Uni bis zu einer etwaigen Einigung mit dem Ministerium: "Für die Unis ist das kein erfreulicher Zustand." (APA/red, Bild:APA)
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