28. März 2012 - 17:04 | admin
Mehr Sachlichkeit in der Diskussion um die Benotung von
Schularbeiten nach den neuen, für die ab 2013/14 an den AHS startende
kompetenzorientierte Matura gedachten Kriterien wünscht sich der
Sprecher der AHS-Direktoren, Wilhelm Zillner, im Gespräch mit der APA.
Er kritisiert die aktuelle "aufgebauschte Debatte", denn ob eine
Schularbeit wie bisher bereits ab 50 oder erst ab 60 Prozent positiver
Leistung mit "Genügend" beurteilt wird, sage nichts über den
Schwierigkeitsgrad der Aufgaben, so der Direktor des Gymnasiums in
Kirchdorf (OÖ).

"Es ist immer die Frage, wie schwer die Aufgaben
sind und wofür ich Punkte vergebe oder abziehe", betont Zillner. Auch
wenn eine Arbeit erst ab 60 Prozent positiver Leistung ein "Genügend"
bekommt, müsse sie dadurch nicht zwangsläufig schwieriger werden.
Überhaupt kritisiert Zillner, dass in der Diskussion
darüber, wann eine Arbeit positiv ist, 50 Prozent als "Glaubenszahl"
dargestellt werden. Immerhin stehe in der
Leistungsbeurteilungsverordnung "keine dieser ominösen Zahlen". Dort
wird lediglich als Voraussetzung für ein "Genügend" genannt, dass die
Arbeit "in den wesentlichen Bereichen überwiegend positiv" sein muss.
Kärntner Drama
Die kolportierten Probleme rund um "falsche Fünfer"
sind aus Sicht des AHS-Direktors auf Kärnten beschränkt und seien dort
dramatisiert worden. "Ich weiß nicht, wer daran Interesse hat, es ist
mir eigentlich auch egal. Da wird viel Kleingeld gemacht in dieser
Diskussion um die Einführung der neuen Matura. Ich persönlich hätte
gerne, dass sie eine Spur sachlicher geführt wird."
Unsinnig wäre eine Umstellung der Anforderung von 50
auf 60 Prozent für ein "Genügend" dann, "wenn ich auf eine bestehende
Schularbeit auf ein bestehendes Punktesystem einfach andere Prozentsätze
drüberlege". Allerdings sei ihm nicht bekannt, ob das in Kärnten so
gemacht wurde. "In Oberösterreich ist das sicher nicht passiert und -
soweit ich momentan informiert bin - auch in den anderen Bundesländern
nicht."
Auch Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne
Brandsteidl (S) ortet eine "künstlich aufgebauschte" Debatte um die
neuen Beurteilungsraster, mit der Stimmung gegen die neue Reifeprüfung
gemacht werden solle. Gleichzeitig betont sie in der Aussendung, dass es
in Wien "keinerlei Probleme mit der Vorbereitung" und keine Zunahme an
Berufungen gegen Noten gebe.
ÖPU sieht "blamables Chaos"
Die VP-nahe Österreichische Professorenunion (ÖPU)
spricht indes am Dienstag in einer Aussendung von einem "blamablen
Chaos", das einmal mehr zeige, wie weit Unterrichtsministerin Claudia
Schmied (S) von einer soliden Vorbereitung der Zentralmatura entfernt
sei. Auch FP-Bildungssprecher Walter Rosenkranz bezweifelt, dass es nur
in Kärnten Probleme geben soll und warnt davor, die Probleme als
Widerstand gegen die Zentralmatura abzutun. Seine Kritik richtet sich
gegen das Ministerium: Das für die Zentralmatura zuständige
Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) habe durch
missverständliche Direktiven für "Chaos" gesorgt, weil das
Unterrichtsministerium seiner Aufsichtspflicht über das Bifie nicht
nachgekommen sei, "was nun alle Schüler, die fälschlicherweise negativ
beurteilt wurden, ausbaden müssen". (APA/red, Bild APA)
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