28. März 2012 - 17:01 | admin
Eigentlich wollte Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) mit einer
Verordnung Vorwürfe von Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern
entkräften, wonach es noch immer viele Unklarheiten in Bezug auf die
2013/14 an AHS und 2014/15 an Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS)
startende teilzentrale standardisierte Matura gebe. Die
Begutachtungsfrist endet heute, Dienstag. Beruhigen konnte sie die
Kritiker jedoch nicht: Elternvertreter fordern weiter eine Verschiebung
und drohen sogar mit Klagen, sollte der erste Jahrgang "aufgrund
mangelnder Organisation und mangelnder Vorbereitung" durch die Lehrer
deutlich schlechter abschneiden als Maturanten der vergangenen Jahre.

Die Verordnung komme zwei Jahre zu spät,
kritisiert der Bundesverband der BHS-Elternvereine in seiner
Stellungnahme. Derzeit seien weder Lehrplan noch Unterricht
flächendeckend auf die neue Matura umgestellt. Nur wenige Lehrbücher
seien aktuell genug, um den neuen Anforderungen zu entsprechen.
Zusätzlich würden weder unterschiedliche Schwerpunkte der Schulformen
berücksichtigt, noch sei klar, wie die Leistungsbeurteilung erfolgen
soll.
Und auch an Details stoßen sich die Elternvertreter:
Sie fordern, dass Deutsch- und Fremdsprachenklausuren jeweils von zwei
Lehrern korrigiert werden sollten und bei den Fremdsprachen der
mündlichen Kommunikation mehr Stellenwert eingeräumt werden soll.
Außerdem kritisieren sie, dass AHS-Schüler bei der Mathematik künftig
zwei Taschenrechner benötigen, BHS-Schüler aber nur einen und dass die
Verwendung von Formelsammlung und Wörterbuch bei den beiden Schulformen
unterschiedlich geregelt ist.
Entwurf wird "generell abgelehnt"
Von der AHS-Lehrergewerkschaft wird der Entwurf
wegen offener Fragen "generell abgelehnt". Kritik übt sie etwa daran,
dass zwar schulautonome Schwerpunkte berücksichtigt werden, aber nicht
jene der verschiedenen AHS-Formen. Dass die Fremdsprachenmatura bei AHS
und BHS unterschiedlich aussieht (bei den AHS ist ein Teil
"Sprachverwendung im Kontext" vorgesehen), ist für sie ebenso wenig
nachvollziehbar wie dass in der Verordnung die Arbeitsgruppen in der
Vorbereitungszeit zwischen schriftlicher und mündlicher Matura fehlen.
Die BHS-Gewerkschaft knüpft ihre Zustimmung
grundsätzlich daran, dass Verhandlungen über eine Änderung des
Prüfungstaxengesetzes begonnen werden. Sie kritisiert, dass
Diplomarbeiten (die schriftliche Abschlussarbeit an der BHS, Anm.)
künftig nur in der Gruppe verfasst werden können. Dass bei der
standardisierten Reifeprüfung in den Fremdsprachen eine Arbeit erst ab
60 Prozent positiver Leistung mit "Genügend" bewertet wird, lehnt die
BHS-Gewerkschaft ebenfalls "entschieden" ab. Als unfair sehen die BHS-
wie auch AHS-Lehrervertreter es außerdem an, dass das Unterrichtsjahr
wegen der verschiedenen Ferienzeitenregelungen nicht in allen
Bundesländern gleich lang ist und fordern deshalb eine
Vereinheitlichung.
Schmied hält an Zeitplan fest
Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) will trotz
Kritik von Eltern- und Lehrervertretern an ihrem Zeitplan für die
standardisierte teilzentrale Matura festhalten, die 2013/14 an den AHS
und 2014/15 an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) starten soll.
Sie nehme die Stellungnahmen zum Begutachtungsentwurf der
Reifeprüfungsverordnung "sehr, sehr ernst", betont sie am Dienstag
gegenüber der APA, schließt eine Verschiebung aber aus. "Das ist für
mich nicht notwendig, weil die Argumente nicht stichhaltig sind."
Deutsch-Zentralmatura in der Testphase
Unterdessen geht die Zentralmatura nun auch im Fach
Deutsch in die erste Testphase: Mitte März werden erstmals die
Deutsch-Aufgabestellungen der ab 2013/14 an den AHS geplanten
standardisierten kompetenzorientierten Reifeprüfung in einer Feldtestung
mit über 1.700 Schülern auf deren Verständlichkeit geprüft. 64 Schulen
in ganz Österreich nehmen daran teil, getestet wird sowohl in AHS als
auch in berufsbildenden höheren Schulen (BHS). Am 12. März startet der
Feldtest in den AHS, am 19. März folgen die BHS.
Bei den Feldtestungen geht es nicht um den
Wissensstand der Schüler, sondern darum, ob die Fragen wirklich
verständlich sind und verlässliche Aussagen über die tatsächlichen
Kompetenzen der Schüler ermöglichen.
Die teilnehmenden Schulen wurden nach einem
geografischen Raster ausgewählt: Sie liegen sowohl in der Stadt als auch
auf dem Land, im Süden, Westen und Osten Österreichs. In Wien hat das
Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) zusätzlich Schulen mit
einem hohen Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund ausgesucht. So
soll getestet werden, ob die Beispiele auch für Schüler mit
nicht-deutscher Muttersprache gut verständlich sind.
Auswahl aus drei Themenpaketen
Die Schüler können aus drei Themenpaketen mit
jeweils zwei inhaltlich zusammenhängenden Aufgaben auswählen. Als
Beispiele nennt das Bifie auf seiner Homepage Themen wie "Glück",
"Geschlechterrollen" oder "Überwachungsstaat". Dabei kann es sich zum
Beispiel um Analysen, Kommentare oder eine Textinterpretation handeln.
Zu jeder Aufgabenstellung wird es zusätzlich eine Textbeilage geben.
Dabei muss mindestens ein Themenpaket einen literarischen Text
beinhalten, etwa ein Gedicht, eine Kurzgeschichte oder einen Auszug aus
einem Roman.
Das Musterbeispiel des Bifie sieht derzeit etwa eine
Interpretation eines Gedichtes von Theodor Storm vor. Bei der
derzeitigen Reifeprüfung ist es noch möglich, Maturaaufgaben ohne
Literaturbezug zu stellen. Der Unterschied zur bisherigen Matura: Es
darf kein literarisches Vorwissen von den Schülern verlangt werden, der
Unterricht muss sie so auf Literatur vorbereiten, dass sie auch mit
einem fremden Text umgehen können.
Im Schuljahr 2013/14 sollen die ersten
AHS-Maturanten die standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung
absolvieren, die aus drei voneinander unabhängigen Säulen besteht. Im
Schuljahr darauf folgen dann auch die BHS. Die dazu nötige Novelle zum
Schulunterrichtsgesetz (SchuG) wurde bereits 2009 beschlossen, im Jänner
hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) die Verordnung dazu in
Begutachtung geschickt.
Weiterführende Info: http://www.bifie.at
(APA/red, Bild APA)
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