
Wirtschafts-Uni bereitet rechtliche Schritte vor - Hörmann weist Anschuldigungen zurück und bleibt mehrdeutig
Die heimische "Occupy"-Bewegung bekommt Schwierigkeiten mit einem ihrer Unterstützer. Franz Hörmann, Buchautor und Professor an der Wiener Wirtschaftsuniversität, ist mit dem Vorwurf der nationalsozialistischen Wiederbetätigung konfrontiert. Die WU stellte ihm am Donnerstag per Aussendung die Suspendierung und eine Strafanzeige in Aussicht, sollten sich seine vom "Standard" berichteten Aussagen als authentisch erweisen. Hörmann sieht sich verleumdet, äußert sich aber weiterhin mehrdeutig zur Existenz von Massenvernichtungslagern.
Der "Standard" berief sich am Donnerstag auf das Protokoll eines unveröffentlichten Interviews, das drei WU-Studenten für die Uni-Zeitung "Standpunkte" mit Hörmann geführt haben sollen. Der Wirtschaftsprofessor der Mitte Jänner beim "Occupy"-Aktionstag am Wiener Stephansplatz als Gastredner auftrat, soll sich darin relativierend zum Holocaust und zur Existenz von Gaskammern geäußert haben.
Die WU ließ als Reaktion per Aussendung wissen, dass sie rechtliche Schritte gegen Hörmann vorbereite. Wissenschafts- und Meinungsfreiheit ende dort, "wo der begründete Verdacht der nationalsozialistischen Widerbetätigung im Raum steht". Durch die im "Standard" veröffentlichten Aussagen sei eindeutig eine Grenze überschritten worden.
Hörmann sprach gegenüber der APA von Verleumdung. Er bestätigte das - unveröffentlichte - Interview, allerdings habe einer der drei interviewenden Studenten von ihm in gehässiger Form immer wieder Aussagen zum Holocaust verlangt und sie dann nach eigenem Gutdünken zusammengesetzt. Vom "Standard" und vom Nachrichtenmagazin "profil", das diese Woche ebenfalls über ihn berichtet hatte, verlangt er Gegendarstellungen.
Gegenüber dem WU-Rektorat rechtfertigte sich Hörmann per E-Mail (es liegt der APA vor) und sprach von einer verleumderischen Kampagne einzelner Medien. Als persönliche Konsequenz werde er bis zur Pressekonferenz seiner Bürgerplattform "Human Way" im März alle Kontakte zu den Medien zu meiden und keinerlei diesbezügliche Stellungnahmen mehr abgeben.
Einblicke in seine Gedankenwelt gewährte Hörmann allerdings schon in seinem Gegendarstellungsbegehren an den "Standard". Weil er einen originären Wissensbegriff vertrete und zwischen Fach- und Erlebniswissen unterscheide, könne er den Aussagen "Wir wissen ..." und "Ich glaube, dass unter dem verbrecherischen Regime des 3. Reichs Massenvernichtungslager betrieben wurden", zustimmen. Die Aussage "Ich weiß, dass unter dem verbrecherischen Regime des 3. Reichs Massenvernichtungslager betrieben wurden", müsse er aus rein logischen Gründen ablehnen, da er weder Historiker noch Zeitzeuge sei.
(APA / red)
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