4. Januar 2012 - 13:15 | Thea
Wer zwei Jahre lang als Lehrer in einem Klassenzimmer besteht, den
kann auch im Berufsleben nichts mehr erschüttern: Zu "erfolgreichen
Führungskräften in und außerhalb" der Schule will die gemeinnützige
Bildungsinitiative "Teach for Austria" herausragenden
Hochschulabsolventen machen. Gerade hat die Rekrutierung an großen
Universitäten Österreichs begonnen, im Schuljahr 2012/13 soll vorerst
mit 40 "Fellows" an Hauptschulen und Neuen Mittelschulen (NMS) in
Salzburg und Wien gestartet werden. Vor allem die Schulen selbst haben
etwas von den Lehrern auf Zeit: Die jungen Akademiker sollen zum
Bildungserfolg weniger privilegierter Schüler beitragen.
"Unmittelbares Ziel des Programms ist zum einen
das Wecken von Begeisterung für Unterrichtsfächer bei den SchülerInnen,
dadurch Verbesserung der Schulleistungen sowie Stärkung des
Selbstvertrauens", heißt es auf der Webseite der Initiative. Der
Bildungserfolg sei in Österreich stark abhängig von Einkommen, Bildung
und Engagement der Eltern. Nachteile, die bei sozioökonomisch schlechter
gestellten Schülern bestehen, will die Initiative ausgleichen. 1990 in
den USA gegründet, läuft das Projekt heute in mehr als 20 Ländern,
darunter auch England, Deutschland und Spanien, unter der Dachmarke
"Teach for All". Dabei werden "herausragende HochschulabsolventInnen"
verschiedenster Fachrichtungen im Sommer intensiv pädagogisch
ausgebildet und dann als zusätzliche Pädagogen an "ausgesuchte
Schwerpunktschulen" geschickt.
Auswertung von Hintergrundmerkmalen
Die Auswahl der Schulen ist dabei essenziell. Anders
als etwa in Großbritannien, wo "Brennpunktschulen" mittels jährlicher
Rankings der Schulaufsicht (Ofsted) schwarz auf weiß erfasst sind, ist
die Initiative hier "auf mündliche Überlieferungen angewiesen", so
"Teach for Austria"-Geschäftsführer Walter Emberger im APA-Gespräch.
"Aber wenn man in einer Region fünf Leute fragt, wo wir am dringendsten
benötigt werden, nennen sie alle fast überlappend die gleichen Schulen."
Derzeit werden die Hintergrundmerkmale dieser Schulen wie etwa
Bevölkerungsdichte sowie Migrationsanteil und Anteil der Kinder von
Alleinerziehenden ausgewertet. In Salzburg wird ausschließlich in Neuen
Mittelschulen gestartet, in Wien auch in Hauptschulen. Ab 2013/14 sollen
ein bis zwei weitere Bundesländer dazustoßen.
Die Einteilung der Pädagogen wird - wie bei
regulären Pflichtschullehrern auch - mit den Landesschulräten
koordiniert. In Salzburg ist das Projekt laut Emberger bereits von
Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S) abgesegnet, die meisten Zielschulen
wurden bereits angesprochen. In Wien seien die Verhandlungen noch nicht
so weit vorangeschritten. Bezahlt werden sollen die Neo-Pädagogen
voraussichtlich mittels Sonderverträgen, "das wird auch in den anderen
20 Ländern so geregelt", weiß Emberger.
Hohe Anforderungen an Bewerber
Gute Noten alleine reichen nicht, um sich als Lehrer
auf Zeit zu bewerben, betont Emberger. "Herausragend" müssen die
Bewerber sein - das heißt, auch über das Studium hinaus zu zeigen, dass
man "mehr vom Leben will", sich engagiert, etwas aufbaut. "Wir testen
die Bewerber natürlich auch genau auf ihre pädagogische Eignung." Am
Ende sollen nur Menschen in den Klassenzimmern stehen, "die dann
wirklich bei den Kindern und Jugendlichen gut rüberkommen". Dass
frischgebackene Absolventen mit sozialem Engagement im Bildungsbereich
ihren Lebenslauf aufbessern, liege auf der Hand, dürfe aber nicht
primärer Beweggrund sein. "Das gibt es woanders einfacher. Die zwei
Jahre sind wirklich hart und zeigen, dass Lehrersein kein Halbtagsjob
ist."
Dass weder Lehrern noch der üblichen
Lehrerausbildung hier Konkurrenz gemacht wird, begrüßt auch
Pflichtschullehrergewerkschafter Paul Kimberger. "Es ist gut,
zusätzliches Know-how und zusätzliche Unterstützung in die Schulen
hineinzubekommen", so Kimberger auf APA-Nachfrage. "Wenn diese
Initiative die Zielrichtung eines Support-Systems hat, werden wir das
sicherlich zulassen." Eines müsse jedoch klar sein: "Das kann
keinesfalls ein Lehrerersatz sein."
(APA/red, Bild APA)
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