3. Januar 2012 - 11:59 | Thea

Neues Institut an reorganisierter Fakultät für Psychologie mit drei Professuren
Wie nimmt der Mensch seine Umwelt wahr? Dieser zentrale Frage der psychologischen Grundlagenforschung will sich die Universität Wien verstärkt widmen. Dazu wurde im Rahmen einer Reorganisation der Fakultät für Psychologie mit Beginn des Jahres das neue Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden geschaffen. Drei Professoren wollen sich dort mit den grundlegenden Mechanismen menschlicher Informationsverarbeitung auseinandersetzen und dieses Gebiet zu einem Forschungsschwerpunkt ausbauen.
Zu dem 2004 an die Uni Wien berufenen Professor für Allgemeine Psychologie, Helmut Leder, gesellten sich in den vergangenen Jahren mit dem Experimentalpsychologen Ulrich Ansorge (2009) und dem Neuropsychologen Claus Lamm (2010) zwei weitere Professoren, die in diesem Bereich tätig sind. Nach Angaben des Leiters der Forschungsgruppe für soziale, kognitive und affektive Neurowissenschaften an der Uni Wien, Claus Lamm, hat die Universität diese Professuren "mit guter Infrastruktur ausgestattet". Auch bei der Einwerbung von Drittmitteln waren die Forscher erfolgreich. So wurden kürzlich beim "Cognitive Science Call 2011" des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) vier Projekte mit einer Fördersumme von etwa 1,8 Mio. Euro bewilligt. Die Wissenschafter sind auch aktive Mitglieder der seit 2011 bestehenden Forschungsplattform "Cognitive Science" an der Uni Wien. Mit ein Grund für die neue Organisation sei auch der "Wunsch nach mehr Effizienz in der Verwaltung" seitens der Universität und der Fakultät gewesen, sagte Lamm im Gespräch mit der APA.
Den drei Protagonisten ist ihr Interesse an der Erforschung grundlegender Mechanismen menschlicher Informationsverarbeitung mit experimentellen Methoden gemein. "Wir haben sofort, nachdem ich 2010 nach Wien gekommen bin, begonnen zu kooperieren. Daraus ist dann auch die Idee entstanden, diese Bereiche in einem Institut zusammenzuführen", so Lamm. Gemeinsam wolle man die Psychologie an der Uni Wien als starken Player im Bereich der Grundlagenforschung etablieren.
Der Forschungsschwerpunkt liege auf der menschlichen Wahrnehmung, einem Problemfeld, das oft gar nicht als solches wahrgenommen werde, sagte der Neurowissenschafter und Psychologe. Ulrich Ansorge, Professor für Experimentalpsychologie, beschäftigt sich stark mit den "visuellen Aspekten" der Wahrnehmung, wie Lamm ausführte. Hier liege ein Fokus darauf, wie Menschen aufgrund ihrer Aufmerksamkeit gewisse Informationen wahrnehmen und andere ausblenden, also den Einfluss des Menschen auf die eigene Wahrnehmung. Ebenso versuche man Mechanismen aufzuklären, wie die Aufmerksamkeit auf bestimmte Reize gelenkt werden kann.
Helmut Leder beschäftigt sich mit der Wahrnehmung von Ästhetik und Kunst. In diesem Bereich ist der Forscher laut Lamm "weltweit führend". Lamm selbst setzt sich vor allem mit den neuronalen Grundlagen menschlichen Sozialverhaltens auseinander. Ein großes Thema, das Lamm und Leder gemeinsam betrachten, ist der Perspektivenwechsel in sozialen Situationen. Dabei gehen die Forscher der Frage nach, in wie weit sich Menschen in die Erfahrungswelt anderer Personen versetzen können.
Aufgrund der organisatorischen Neuorientierung könne man nun Laboratorien zusammenführen und verstärkt gemeinsam nützen. Das größte infrastrukturelle Problem sei, dass das Institut noch über keinen eigenen funktionellen Magnetresonanztomographen (fMRT) verfüge, mit dem man den Versuchspersonen regelrecht ins Gehirn schauen kann. Aktuell benützen die Wissenschafter das Gerät der Medizinischen Universität mit. Man bemühe sich aber um EU-Mittel, die eine solche Anschaffung ermöglichen könnten. "Ansonsten sind wir aber wirklich gut aufgestellt", sagte Lamm.
Die Fakultät für Psychologie fasst ab 1. Jänner 2012 ihre Arbeitsbereiche in insgesamt drei Instituten zusammen, bisher waren es vier. Neben dem neuen Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden gibt es ein Institut für Gesundheit, Entwicklung und psychologische Förderung und ein Institut für Angewandte Psychologie: Arbeit, Bildung, Wirtschaft.
(APA/red)
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