20. Dezember 2011 - 14:27 | Thea
Die Universitäten fürchten, dass sie bei der geplanten gemeinsamen
Lehrer-Ausbildung ausgebremst werden sollen. Während früher die
Kooperation von Unis und Pädagogischen Hochschulen (PH) im Zentrum
gestanden sei, werde die Reform der Lehrerausbildung nun auf einen
"Kampf der Institutionen" reduziert, kritisiert Martin Polaschek,
Vizerektor der Uni Graz und Leiter der "Task Force Lehramt" der
Universitätenkonferenz (uniko) gegenüber der APA.
Polaschek kritisiert generell den von der
Regierung ausgerufenen "Beauty Contest" (Zitat: SP-Unterrichtsministerin
Claudia Schmied) , in dem sich in jeder Region entscheiden soll, ob die
Lehrerausbildung künftig an "School of Education" an den Unis oder an
zu "Pädagogischen Universitäten" aufgewerteten PH stattfinden soll. Dass
alle Institutionen aufrüsten sollen, damit die Politik am Ende sage,
der eine habe gewonnen und der andere umsonst Gelder investiert, findet
Polaschek "frivol". Immerhin gehe es dabei um sechs- bis siebenstellige
Eurobeträge. Es müsse aber Entscheidung der Politik sein, wie
Steuergelder am besten eingesetzt werden.
"Außerdem ist das nicht einmal ein fairer Beauty
Contest, wenn die Hauptjurorin die eine Gruppe schon ganz offen
fördert", so Polaschek. Denn die von Schmied forcierte Diskussion laufe
stark in die Richtung, "dass es um jeden Preis Pädagogische
Universitäten geben muss, egal ob wir sie brauchen oder nicht".
Kritik an "persönlichem Beraterorgan"
Kritik übt Polaschek auch am Entwicklungsrat für die
neue Lehrer-Ausbildung: Eigentlich sollte dieser für PH und Unis
gemeinsam eingesetzt werden, nun werde er aber im Zuge der Reform der PH
von Schmied als "persönliches Beratungsorgan" genutzt. "Derzeit habe
ich in der politischen Kommunikation den Eindruck, als wären die
Universitäten Zulieferer zweiter Klasse - und das bin ich nicht bereit
zu akzeptieren. Dafür machen unsere Leute zu gute Arbeit", sagt
Polaschek.
Darüber, wie eine vernünftige Lehrer-Ausbildung
aussehen solle, spreche angesichts der Zuspitzung auf die
Institutionenfrage niemand mehr. Dabei habe die stärkere Vernetzung
zwischen Unis und PH in der Vergangenheit durchaus stattgefunden. "Wir
kooperieren in den verschiedensten Bereichen und das geht eigentlich
gut", meint Polaschek.
Für die Zukunft wünsche sich die uniko, dass dort,
wo es große Unis gibt, diese künftig die Führung bei der
Lehrer-Ausbildung übernehmen und diese an einer School of Education
unter Einbeziehung der PH "oder zumindest über enge
Kooperationsverträge" mit den PH anbieten können. Dabei wären die Unis
auch bereit, dem Unterrichtsministerium Mitspracherechte etwa bei den
Curricula einzuräumen. Eine "zentralistische Führung" wie derzeit bei
den PH entspreche hingegen nicht den Anforderungen an eine moderne
Lehrer-Ausbildung.
Warnung vor Verwaltungskosten
Pädagogische Unis sollen nach Wunsch der uniko nur
dort entstehen, wo es keine Unis gibt. Immerhin müsse bei einer
Aufwertung von PH zu Pädagogischen Unis nicht nur die Forschung auf den
entsprechenden Stand gebracht werden. Es brauche auch das entsprechende
Verwaltungspersonal, warnt Polaschek vor einer Aufblähung der Overheads.
Von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V)
wünscht Polaschek sich künftig "klare Worte" in der Diskussion um die
neue Lehrerbildung. Doch auch bei den Unis ortet er Fehler. Diese hätten
sich bisher "unter ihrem Wert verkauft" - "weil es uns mehr um die
Sache ging und wir einfach geschaut haben, dass wir vor Ort gute
Projekte machen und weniger laut herumgeredet haben".
(APA/red, Bild APA)
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