19. Dezember 2011 - 12:41 | Thea
Forschungseinrichtung wird gemeinsam genutzt - Grundlagenforschung zur künstlichen Photosynthese oder in der Materialwissenschaft - EU fördert Projekt mit zwei Mio. Euro
Die Linzer Johannes Kepler Universität (JKU) und die Südböhmische Universität Budweis (USB) verstärken ihre Zusammenarbeit. Am Montag wurde das erste grenzüberschreitende österreichisch-tschechische Forschungszentrum eröffnet, dessen Herzstück ein Labor für magnetische Kernresonanz ist. In einer Pressekonferenz mit dem Schweizer Chemie-Nobelpreisträger Richard Ernst stellten Rektor Richard Hagelauer und Rüdiger Ettrich von der USB die Neuanschaffung und ihre Anwendungsmöglichkeiten vor.
In den neuen Laborräumen stehen drei NMR-Spektrometer (NMR = nuclear magnetic resonance). Ihre Technik basiert auf den Forschungen von Richard Ernst, für die er 1991 den Nobelpreis erhalten hat. Die Großgeräte ermöglichen es, den Aufbau der Materie bis hinunter zur Molekularstruktur zu analysieren, ohne die Probe zu zerstören. Sogar lebende Zellen können so untersucht werden. Die Geschwindigkeit der Messungen hat sich auch wesentlich erhöht. Was bisher 24 Stunden dauerte, ist künftig in einer Stunde möglich, erklärte Norbert Müller, Vorstand des Instituts für Organische Chemie an der JKU.
Ein Anwendungsgebiet in Linz ist die Grundlagenforschung zur künstlichen Photosynthese, Kunststofftechniker und Materialwissenschafter werden ebenfalls zu den Benutzern gehören. Ernst sieht in der Analysemethode auch großes Potenzial für die Medizin und die Pharmazie: Man könne beispielsweise physiologische Vorgänge im menschlichen Körper oder die Zusammenwirkung zweier Moleküle im Detail studieren und so wirksamere Heilmittel entwickeln. Es sei auch möglich, Wechselwirkungen schädlicher Stoffe in der Natur auf die Spur zu kommen und problematische Substanzen durch andere zu ersetzen.
Die JKU und die USB haben vor einigen Jahren ein gemeinsames Studium der biologischen Chemie eingeführt. Durch das neue Labor soll die Zusammenarbeit weiter verstärkt werden. Derzeit würden rund 100 Personen grenzüberschreitend studieren, viele von ihnen werden an den NMR-Geräten arbeiten, erklärte Hagelauer. Hinzu kommen eine Reihe von pendelnden Wissenschaftern, die an beiden Standorten forschen. "Es ist ein Gebot der Stunde, nicht alles an einer Universität zu haben, sondern nationale und internationale Kooperationen auszubauen", ist der Rektor überzeugt. Aus den interkulturellen Studien würden auch Netzwerke entstehen, die später im Berufsleben der Absolventen bestehenbleiben.
Die neu eröffnete Einrichtung wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit zwei Mio. Euro gefördert. Sie soll der Grundlagenforschung dienen und nicht kommerziell genutzt werden. Allerdings können Firmen in Form von Forschungskooperationen mit eingebunden werden.
(APA/red)
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