19. Dezember 2011 - 10:42 | Thea
35 Millionen Euro fehlen den Universitäten kommendes Jahr durch die
vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) aufgehobene Regelung für
Studiengebühren. Dass der Rektor der Universität Wien, Heinz Engl,
deshalb vom Wissenschaftsministerium eine Nachverhandlung der
Leistungsvereinbarung verlangt und mit dem Rechtsweg droht, begrüßen
Rektorenkollegen auf Nachfrage der APA. Heinrich Schmidinger,
Uni-Salzburg-Rektor und Präsident der Universitätenkonferenz (uniko),
kann sich "gut vorstellen, dass mehrere Universitäten Wege wie diesen
bestreiten werden". Auch die Technische Universität (TU) Graz und die
Uni Innsbruck schließen den Rechtsweg nicht aus.
Faktum sei, "dass wir auf dieses Geld unter
keinen Umständen verzichten können", betonte Schmidinger gegenüber der
APA. Er habe "großes Verständnis" für den Schritt der Uni Wien. "Wenn es
hart auf hart geht, kann ich mir das für die Uni Salzburg auch
vorstellen." Dieser fehle durch den Wegfall der Studiengebühren von
Nicht-EU-Studenten sowie nicht erwerbstätigen Langzeitstudierenden 1,5
Mio. Euro für 2012. "Meine Strategie war es bis jetzt, mit dem
Bundesminister (Karlheinz Töchterle, Anm.) und dem Generalsekretär
(Friedrich Faulhammer, Anm.) Gespräche zu führen und sie davon zu
überzeugen, dass die Bundesregierung diese Mittel den Unis zur Verfügung
stellen muss", so der Rektor. Wenn sich hier nichts tue, müssten sich
die Unis etwas anderes überlegen.
Märk: Uni Innsbruck wird negativ bilanzieren
Drei Varianten für den Ernstfall hat sich etwa
Tilmann Märk, bisheriger Vizerektor und baldiger Rektor der Universität
Innsbruck, überlegt. Die erste - eine Kompensation des Ausfalls aus der
Reserve des Wissenschaftsministeriums - sei von Töchterle bereits wegen
mangelnden Budgets abgelehnt worden. "Also müssen wir entweder den Weg
gehen, den die Uni Wien geht", so Märk zur APA, "oder wir heben die
bisher bereits eingehobenen Studiengebühren wieder ein". Für das
Wintersemester 2012/13 haben die Rektoren bereits angekündigt, autonom
wieder Beiträge zu verlangen - Märk wünscht sich das auch für das
kommende Sommersemester. "Die Frage ist, ob wir das noch technisch
realisieren können." Für die Uni Innsbruck gehe es um 2,5 Mio. Euro im
Jahr - eine Summe, "die schon längst im Budget eingeplant und für die
Lehre bestimmt war", so März. "Ein Ausfall würde unser Dreijahresbudget
ins Minus bringen."
Der Technischen Universität (TU) Graz gingen bei
einem Entfall der knapp über 2 Mio. Euro im kommenden Jahr etwa 45
Wissenschafter-Stellen abhanden, warnte Rektor Harald Kainz. "Das sind
Stellen, die wir nicht nachbesetzen könnten, wodurch wir auch die
Leistungen in der jetzigen Form nicht mehr durchführen könnten." Er
hofft noch auf die Reparatur der Studienbeitragsregelung bis März. "Auf
dem ordentlichen Weg geht sich das bis Weihnachten nicht mehr aus, es
gäbe aber die Option eines Dringlichkeitsantrags im Nationalrat", mahnte
Kainz die Politik. Erfolge dieser Fall nicht, "müssen wir ab Jänner
reagieren". "Ich sehe den Weg von Rektor Engl als naheliegend an", so
Kainz. Er kann sich gut vorstellen, "dass alle Universitäten gemeinsam
den Gang zur Schlichtungskommission prüfen".
Eher zurückhaltend reagierte jene Uni, die sich über
den Rechtsweg aus einem anderen Grund bereits zusätzliches Geld vom
Wissenschaftsministerium erstritten hat: die Wirtschaftsuniversität (WU)
Wien. Rektor Christoph Badelt "begrüßt das Vorgehen der Uni Wien" zwar
und bezeichnet es in einer Stellungnahme gegenüber der APA als "wichtige
Entscheidung". Die WU, der mit dem Entfall der Studiengebühren 2,2 Mio.
Euro 2012 fehlen würden, habe aber im Moment "andere Punkte mit dem
Ministerium" zu klären.
(APA/red, Bild APA)
Kommentar hinzufügen