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Das australische Studiengebührenmodell: Vorbild mit Benachteiligung von Frauen

Australische Studenten erhalten zinslosen Staatskredit und zahlen diesen ab Erreichen eines gewissen Einkommens zurück

Mit dem von Bundeskanzler Werner Faymann (S) in Erwägung gezogenen australischen Studiengebührenmodell steht erneut ein Vorschlag im Raum, der immer wieder als Vorbild für universitäre Kreditmodelle genannt wird. Die Idee hinter dem "Higher Education Loan Programme" (HELP) ist, dass die Studenten erst für ihre Ausbildung zahlen müssen, sobald sie auch finanziell davon profitieren. Für die Zahlung der Studiengebühren gewährt ihnen der Staat einen zinslosen Kredit, den sie erst nach Erreichen eines bestimmten Einkommens zurückzahlen müssen.

Mit der Einführung von Studiengebühren wurde 1989 in Australien auch das "Higher Education Contribution Scheme" (HECS) - seit 2005 "HELP" genannt - eingeführt. Ziel war es, die Studenten verstärkt zur Kasse zu bitten, ohne Menschen aus einkommensschwächeren Familien vom Studium abzuschrecken. Internationale Studierende können nicht um ein "HECS-HELP"-Darlehen ansuchen, sie zahlen bis zu doppelt so hohe Gebühren wie Studenten mit australischer Staatsbürgerschaft oder Aufenthaltsrecht.

Wird einem Studenten das Darlehen zugesprochen, zahlt die Regierung den ganzen oder den Großteil seines Studienbeitrags direkt an die betreffende Universität. Die Unis setzen ihre Studiengebühren - ähnlich wie im Modell von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) - autonom bis zu einer von der Regierung gesetzten Maximalgrenze fest. Die Beiträge variieren dabei zwischen den Fachrichtungen: Für ein Studium der Mathematik oder Naturwissenschaften sind etwa bis zu 4.520 australische Dollar (rund 3.400 Euro) zu zahlen, für Medizin und Rechtswissenschaften bis zu 9.425 australische Dollar (rund 7.200 Euro).

Erreicht der Student während oder auch erst nach dem Studium eine gewisse Einkommensgrenze (rund 48.000 australische Dollar im Jahr 2011/12), zahlt er das Darlehen an die Einkommenssteuer verknüpft zurück. Je höher das Einkommen, desto höher auch der Prozentsatz (zwischen 4 und 8 Prozent), mit dem die Gebühren zurückgezahlt werden. Es gibt auch die Möglichkeit, das Darlehen vor Studienantritt oder zumindest vor Erreichen der Verdienstgrenze "freiwillig" zurückzuzahlen, was mit einem Nachlass honoriert wird.

Wie die aktuelle OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" konstatiert, gehört Australien mit 94 Prozent (im Studienjahr 2008/09) zu den Ländern mit den höchsten Studienanfängerquoten. Die OECD führt das darauf zurück, dass die Studenten zwar relativ hohe Studiengebühren zahlen müssen, im Gegenzug aber "ausgesprochen hohe öffentliche Zuschüsse erhalten".

Das Darlehenssystem im tertiären Bereich ist laut der OECD-Studie neben Australien auch in Chile, Neuseeland, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, Großbritannien sowie in den Vereinigten Staaten stark ausgeprägt. Befürworter des australischen Systems betonen, dass es sich dabei nicht um ein Darlehen, sondern um einen Steueraufschlag handelt - hohe Verschuldungen von Studenten würden dadurch vermieden. Anders sieht das etwa in Großbritannien und den USA aus. So warnte kürzlich der renommierte Essayist Eliot Weinberger davor, dass "der Schuldenberg, auf dem amerikanische Studenten sitzen, (...) erstmals höher als die Kreditkartenschulden der ganzen Nation" sei. In Großbritannien führt ein Studium inklusive Lebenserhaltungskosten laut dem Wissenschaftsmagazin "Science" zu durchschnittlich 43.000 Pfund (etwa 51.000 Euro) Schulden.

Doch auch beim australischen Modell gibt es kritische Stimmen. Neben einem zunehmenden Rückzug des Staates aus der Finanzierung der Universitäten seien Frauen aufgrund ihrer Erwerbsbiografien benachteiligt und über längere Zeit verschuldet als Männer. Wie der wissenschaftliche Beirat des deutschen Finanzministeriums vor kurzem in einem Gutachten festhielt, schaffe die einkommenabhängige, steuerähnliche Rückzahlung zudem negative Anreizeffekte. So würden Darlehensnehmer vermehrt ins Ausland gehen, um eine Rückzahlung, die an das in Australien zu versteuernde Einkommen gekoppelt ist, zu vermeiden. Auch die Neigung zu Steuerhinterziehung und -vermeidung sei unter ihnen laut Gutachten stärker.

(APA /red, Bild APA)

>> ÖH: Kritik an kreditfinanzierten Modellen

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