12. Dezember 2011 - 15:50 | Thea
Vorschläge zeugen von Planungslosigkeit und Unwissen
Am Wochenende warfen SP-PolitikerInnen mit unterschiedlichsten und unüberlegten Vorschlägen zu Studiengebühren wie wild um sich. "Wir fühlen uns durch die undurchdachten Vorschläge vor den Kopf gestoßen - keine Sekunde wurde an die reale Lage der Studierenden gedacht", kritisiert Martin Schott vom ÖH Vorsitzteam. "Die Vorschläge sind nicht nur undurchdacht, sie wirken auch wie ein schlecht gewähltes Ablenkungsmanöver von der aktuellen Schulden- und Kürzungsdebatte. Stattdessen wäre Faymann gut beraten, endlich die Finanzierung von Bildung durch ein progressives Steuersystem sicher zu stellen."
"Das von Faymann vorgeschlagene australische Modell sieht Studiengebühren bis zu über 5000 Euro pro Semester vor, die entweder gleich oder nach dem Studium zurückgezahlt werden können. Je nach Studiengang werden unterschiedlich hohe Gebühren bezahlt - GeisteswissenschaftlerInnen bezahlen etwa 3500 Euro im Semester - angehende MedizinerInnen oder JuristInnen hingegen über 5000 Euro. Das Modell ist in vielerlei Hinsicht zu kritisieren und verdient in keinem Fall den Stempel "sozial verträglich"! SofortzahlerInnen erhalten massive Abschläge und bezahlen daher weniger Studiengebühren als Personen, die die Summe erst später zurückzahlen, da die Beiträge stets an die Inflation angepasst werden. Die Gebühren richten sich dabei nicht nach den Kosten des Studiums, sondern nach dem zu erwartenden Einkommen", so Peter Grabuschnig, ÖH Generalsekretär. "Damit bestimmt das Budget über die Studienwahl - nicht das Interesse am Fach."
"Das Modell birgt zahlreiche soziale Verschlechterungen: Frauen werden benachteiligt, da sie in der Regel deutlich weniger als Männer verdienen und daher zu einer längerfristigen Rückzahlung gezwungen sind. AlleinerzieherInnen sind massiv benachteiligt, da die Beitragshöhe eben nur vom erwartenden Einkommen abhängt und die Lebensumstände der Studierenden nicht berücksichtigt" erklärt Angelika Gruber. "Bevor Faymann und co. derartige Vorschläge einbringen, sollten sie sich mit den Betroffenen - den Studierenden - treffen und deren Meinung und Know-How einholen. Blinde, unüberlegte Vorschläge ohne Einbezug der Studierenden zeugen schlichtweg von bildungspolitischer Inkompetenz und sind unverantwortlich!"
"Sich am australischen Modell orientieren zu wollen bedeutet auch die Nachteile und Schwächen zu beachten. Die Finanzsituation der australischen Hochschulen ist nicht besser geworden, da sich die staatliche Finanzierung deutlich reduziert hat. Die Finanzierung von Bildung ist eine öffentliche Aufgabe. Es wird Zeit dass die Regierung endlich einen Budgetpfad zu den von ihr selbst beschlossenen 2 Prozent des BIP für die Hochschulen vorlegt und damit die Finanzierung der Hochschulen sicherstellt, anstatt die Verantwortung auf Unis oder die Studierenden abzuwälzen." schließt das Vorsitzteam unisono.
(Quelle: OTS / Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH))
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