6. Dezember 2011 - 17:17 | Thea
Vergleich mit Gesamtbevölkerung - Unterschiede nach Fächergruppen
Studenten haben ein kritischeres Verhältnis zu Autoritäten als der Rest der Bevölkerung. Das hat eine am Dienstag präsentierte, nicht-repräsentative Onlinebefragung des Zeitgeschichte-Instituts der Uni Wien zu den Themen Autoritarismus, Demokratiebewusstsein und nationalem Selbstverständnis österreichischer Studenten ergeben (14.549 Befragte). Außerdem haben Studenten grundsätzlich eine positive Einstellung gegenüber Einwanderern und sehen die historische Mitverantwortung Österreichs an den Gräuel des Nationalsozialismus stärker als die Gesamtbevölkerung.
Dafür wurden die Angaben der aktuellen Erhebung mit einer Studie des Zeitgeschichteinstituts und SORA aus dem Jahr 2007 verglichen, bei der die Gesamtbevölkerung, und zwar auch in Ungarn, Polen und Tschechien befragt wurde. Es sollen weitere Umfragen unter Studenten in den übrigen Ländern folgen und mit den Ergebnissen der Gesamtbevölkerung in diesen Ländern verglichen werden.
So weisen österreichische Studenten in punkto nationaler Geschichtsverarbeitung durchschnittlich deutlich geringere Werte auf als die Gesamtbevölkerung. Nur zehn Prozent stimmen eher zu, dass Österreich das erste Opfer des Nationalsozialismus war, in der Gesamtbevölkerung waren es 36 Prozent. 82 Prozent der Studenten sehen eine Mitverantwortung der Österreicher an der Judenverfolgung (versus 56 Prozent in der Gesamtbevölkerung). Allerdings stehen Studenten der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften laut der Studie in fast allen erfassten Bereichen "weiter rechts" als Studenten anderer Fächer, strich Heinz Mayer, Dekan der juridischen Fakultät der Uni Wien, bei der Präsentation heraus. Er führt das darauf zurück, dass diese eher am "Bewahren von Bestehendem" interessiert seien.
Für Oliver Rathkolb, Leiter des Zeitgeschichteinstituts, sind die Ergebnisse der Studenten ein Zeichen dafür, dass "Investitionen in Bildung nicht nur nützliche Arbeitskräfte, sondern auch eine solide Basis für Demokratie" schaffen. Angelika Gruber vom Vorsitzteam der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) sieht das Ergebnis dennoch als gesellschaftspolitischen Auftrag an die Hochschulen. Dass zehn Prozent der Studenten der Opferthese zustimmen, sei ein Beweis dafür, dass Geschichtsaufarbeitung an den Unis nicht verdrängt werden dürfe. Wegen schlechter Rahmenbedingungen sei kritische Lehre immer seltener möglich, wegen der verschulten und überladenen Studienpläne immer weniger Platz für Studenten, sich kritisches Wissen anzueignen.
(APA/red, Bild APA)
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