6. Dezember 2011 - 13:53 | Thea
Zeitgeschichtliche Forschungsstudie in Kooperation mit ÖH erstellt und heute präsentiert
Heute, Dienstag, wurde das Ergebnis der gesamtösterreichischen Studie zum Thema "Autoritarismus, Demokratiebewusstsein und nationales Selbstverständnis unter österreichischen Studierenden" im Rahmen einer Pressekonferenz von Angelika Gruber, vom ÖH Vorsitzteam, dem Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien Univ.-Prof. DDr. Heinz Mayer mit dem Projektteam - Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb (Gesamtleitung), Dr.in Petra Ziegler (Projektleitung) sowie den AutorInnen Dr.in Yvonne Schürmann-Zehetner und Mag. Alexander Salzmann präsentiert. Es handelt sich um die erste gesamtösterreichische Online-Umfrage zum Thema "Autoritarismus, Demokratiebewusstsein und nationales Selbstverständnis unter österreichischen Studierenden".
Dr.in Petra Ziegler (Projektleitung): "Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Studierende in Österreich im Durchschnitt deutlich geringere Werte bei Fragen zu Autoritarismus, Anomie, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und nationaler Geschichtsverarbeitung aufweisen als die Gesamtbevölkerung. Dennoch zeigen sich nach Studienrichtung differenziert teilweise deutliche Unterschiede bei den Einschätzungen, wobei Studierende aus den Bereichen der Sozial- sowie Geistes- und Kulturwissenschaften deutlich geringer Zustimmungswerte aufweisen als Studierende aus den MINT-Fächern (bei einigen Frageitems) sowie aus den Bereichen Wirtschaft, Recht."
Angelika Gruber (Vorsitzteam der ÖH Bundesvertretung): "Die Studie zeigt deutlich, dass die Auseinandersetzung mit Autorität, Hierarchie, Unterdrückungsmechanismen und Rassismen in der Gesellschaft allgemein, und dramatischerweise auch an den Hochschulen, immer mehr in Vergessenheit gerät. Vor allem aber auf den Hochschulen ist es unabdinglich, sich mit den Verstrickungen und Wirkungen dieser Mechanismen auseinanderzusetzen. Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass es neben kritischen WissenschafterInnen auch Platz und Zeit in der Lehre gibt, um die Forschung in die Hörsäle bringen zu können. Dem steht jedoch eine stark zunehmende Tendenz zur Verschulung der Studien entgegen. Die Zusammenarbeit bei der vorliegenden Studie war für uns ein wichtiger Schritt und wir freuen uns, dass es gelungen ist, dieses Thema, auf das die ÖH schon seit Jahren hinweist, nun auch wissenschaftlich zu bearbeiten."
Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien, Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb (Gesamtleitung): "In der aktuellen Budget- und Spardebatte wird völlig übersehen, dass Investitionen in die Bildung junger Menschen vor allem auch Investitionen in die demokratische Basis unserer Gesellschaft darstellen und die verlässlichste Vorsorge zur Verhinderung autoritärer und populistischer Entwicklungen sind. Vor dem Hintergrund der autoritären sowie totalitären Vergangenheit Österreichs sollte dieser Faktor Priorität erlangen!"
Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, Univ.-Prof. DDr. Heinz Mayer: "Studierende der Rechtswissenschaften zeigen im Vergleich zu Studierenden anderer Fächer eine deutlich konservativere Einstellung. Dies ist nicht überraschend, sondern entspricht meinen Erfahrungen, die ich im täglichen Umgang mit den Studierenden sammeln konnte. Der Grund dafür scheint mir zu sein, dass Studierende der Rechtswissenschaften stärker an Ordnung interessiert zu sein scheinen als andere Studierende und dass Veränderungen der bestehenden Ordnung nur mit großer Zurückhaltung als positiv wahrgenommen werden. Möglicherweise spielt auch die Herkunft der Studierenden eine gewisse Rolle."
Autoritarismus bei StudentInnen vergleichsweise gering
Während seit 2004 autoritäre Einstellungen in der österreichischen Gesellschaft wieder im Steigen begriffen sind, dokumentiert diese Umfrage, dass bei jungen, in Ausbildung befindlichen Studierenden hier deutlich geringere Dispositionen zu aggressivem Autoritarismus oder autoritärer Unterwürfigkeit vorhanden sind.
Moscheenbau doch umstritten
Bei Fragen nach dem Recht, Moscheen zu bauen, lehnen 13% dies ab, wobei Studierende aus den Bereichen Wirtschaft und Recht einen insgesamt um 20% höheren Ablehnungsgrad zeigen.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gering, höher gegenüber Muslimen Gerade zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit kann angeführt werden, dass Studierende Frageitems, die Antisemitismus abfragen, sehr negativ gegenüberstehen; werden dieselben Fragen allerdings auf Muslime hin abgetestet, zeigt sich, dass hier im Vergleich deutlich höhere Werte und somit eine weniger starke Ablehnung dieser Aussagen festgestellt werden konnte.
(Quelle :OTS / Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH))
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