5. Dezember 2011 - 10:15 | Thea
"Forschung braucht neben Begabung und Begeisterung Zeit und Geld.
Geben Sie uns dies bitte!" - Mit diesen Worten leitete Freitag am späten
Vormittag Hubert Pehamberger die Universitätsvorlesung der MedUni Wien
für das Jahr 2011 ein. Zu dem Anlass inklusive einer Podiumsdiskussion
zur Hochzeit der derzeit brisanten Spardiskussionen rund um das Wiener
AKH war auch Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) erschienen.
Er gelobte größte Anstrengungen, um die anstehenden Finanzprobleme zu
lösen.
"Österreich ist sehr erfolgreich in der
klinischen Forschung. Rund 35 Prozent des gesamten Wissenschafts-Output
kommt aus dem Bereich der Medizin", sagte Markus Müller Vizerektor für
Forschung der MedUni Wien. Allerdings, im Vergleich zu wissenschaftlich
führenden Staaten wie Schweden oder die Schweiz betrage der Abstand in
der klinischen Forschung rund 30 Prozent, in der Mathematik nur sieben
Prozent. Müller: "Die erste Herausforderung ist das Geld. Die
'Leader'-Nationen investieren zumindest zweimal so viel in
Grundlagenforschung wie Österreich." In Schweden seien das 49 Euro pro
Einwohner, in der Schweiz 39,5 - in Österreich nur 18,5. Für klinische
Forschung gäbe es in Österreich 50 Cent pro Kopf und Jahr, ein
Bundesland wie die Steiermark unterstütze aber allein die
Blasmusikkapellen mit einem Euro pro Einwohner und Jahr.
Heftige Spardebatte
Derzeit befinden sich MedUni Wien und AKH in einer
ausgesprochen heftigen Spardebatte. So sollen wegen eines Budgetlochs
von angeblich neun Millionen Euro mit 1. Februar nur noch 146 statt
bisher 172 Journaldienste (Nacht- und Wochenenddienste) durchgeführt
werden. Befürchtet wird aber auch sonst ein deutliche
Leistungseinschränkung.
Wissenschaftsminister Töchterle schnitt dieses Thema
in seinem Statement sofort an und versprach intensive Bemühungen zur
Lösung des Problems: "Ich bin intensiv bemüht, das Problem auf der Basis
der Kenntnis der Ursachen zu lösen. Ich denke, wir schaffen das."
Forschung und Spitzenmedizin der MedUni Wien bzw. am AKH seien
international hoch angesehen und beachtet. Man müsse hier aber auch noch
viel tun. Die aktuelle Diskussion habe er, Töchterle, anfänglich
unterschätzt: "Ich habe unterschätzt, wie schnell und wie intensiv das
in die Medien kommt." Der Minister sprach auch davon, dass er selbst
erst jüngst - im Fall eines Mitarbeiters - Zeuge fachlich hervorragender
medizinischer und menschlich bestechender Leistungen in der
Patientenbetreuung am Wiener AKH geworden sei.
"Vernunftgesteuerter Dialog"
MedUni Wien-Rektor Wolfgang Schütz und AKH-Chef
Reinhard Krepler betonten, dass man bereits so kooperiere als gäbe es
schon eine gemeinsame Betriebsgesellschaft für Patientenbetreuung,
Forschung und Lehre. Hier fehle es aber noch an der endgültigen
Regelung, welche nur die Politik bereitstellen könne. Beide betonten,
dass man die Probleme in Verhandlungen lösen müsse. Krepler bei einer
von "Kurier"-Chefredakteur Helmut Brandstätter moderierten
Podiumsdiskussion: "Wir brauchen keine Mediatoren. Wir haben einen
vernunftgesteuerten Dialog." Von Minister Töchterle habe er, Krepler,
keine andere Aussage erwartet, als jene, sich für eine Lösung voll
einzusetzen.
Freilich, auf der Seite der Ärzteschaft im AKH bzw.
den Universitätskliniken wird weiterhin auf die kritische Lage durch die
Sparpläne hingewiesen. Ärztevertreter Thomas Szekeres gegenüber der
APA: "Die Einsparungen sind untragbar." Man erhebe derzeit an den
einzelnen Universitätskliniken genau die vorhersehbaren Auswirkungen
einer Reduktion der "Diensträder". Ein Beispiel, so der
Standesvertreter: "Wenn im Wiener AKH nicht mehr zwei volle
Dienstmannschaften in der Nacht und am Wochenende vorhanden sind, kann
man einfach nicht mehr zwei Schwerverletzte gleichzeitig versorgen."
Ein Minus von 14 Prozent an solchen Diensten - wie
geplant - könne im Einzelfall den gesamten Ausfall einer
Versorgungseinheit bedeuten. Und schließlich: Es gehe nicht um das
vordergründig genannte Budgetloch von neun Millionen Euro in diesem
Jahr, vielmehr um den Ausgleich der Inflation.
(APA / red, Bild APA/dpa)
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