1. Dezember 2011 - 10:31 | Thea

(v. l.) Dr. Heike Kahr, Landesrätin
Mag.a Doris Hummer, Prof. (FH) Dr. Alexander Jäger und DI (FH) Viktoria
Steinmüller.
Der Welser
FH-Studiengang Bio- und Umwelttechnik beschäftigt sich seit Jahren mit
Forschungsprojekten im Bereich Bioenergie. Kürzlich erhielten die Welser WissenschaftlerInnen
den Zuschlag für drei neue innovative Forschungsprojekte im Rahmen des
EU-kofinanzierten Landesförderprogrammes „Regio 13“. Insgesamt fließen mehr als
1,1 Mio. Euro an Forschungsgeldern in die neuen Projekte „Next Generation Biodiesel“,
„Biogas plus“ sowie „Biospritproduktion aus Stroh: Überführung in den
industriellen Maßstab“ und machen somit Wels zu einem Zentrum der
österreichischen Bioenergieforschung.
Maisspindeln als
Rohstoff für Biodiesel
Derzeit
besteht der an Tankstellen verkaufte Diesel zu 5,7 Prozent aus Biodiesel und
wird vorwiegend aus Raps produziert. Dr. Heike Kahr beschäftigt sich mit ihrer
Arbeitsgruppe in den nächsten drei Jahren mit dem Thema „Next Generation
Biodiesel.“ Hierbei geht es darum, aus Abfallstoffen wie etwa Maisspindeln oder
Maisstroh umwelt- und klimafreundlichen Treibstoffersatz für Dieselfahrzeuge
herzustellen. So kann der Lebensmittelrohstoff Raps durch Abfallstoffe ersetzt
werden.
In
der ersten Phase werden Grundlagenforschungen durchgeführt. „Das heißt, wir
müssen Organismen finden, die zur Biodieselherstellung geeignet sind. Konkret
müssen wir Hefen so ‚mästen‘, dass sie die Zucker der Maisspindeln in Fette
umwandeln können“, erklärt Kahr. Getreideabfälle produzieren am Feld große
Mengen an schädlichen Treibhausgasen. „Normalerweise werden die Maisspindeln
und das Maisstroh am Feld eingeackert. Anschließend produzieren die
Getreideabfälle beim Zersetzungsprozess in der Erde das extrem klimaschädliche
Methan. Durch die biotechnologische Umwandlung der Abfälle in Biodiesel könnten
wir dieses schädliche Klimagas unter Kontrolle bringen.“
Gülle als Energiequelle
Biogas
wird bereits jetzt als Energiequelle für Heizung, Strom und Gasfahrzeuge
verwendet. DI (FH) Viktoria Steinmüller optimiert im Projekt „Biogas plus“ die
Leistung der bereits bestehenden heimischen Biogasanlagen und entwickelt dezentrale
Kleinbiogasanlagen auf Güllebasis. „Wenn man alle österreichischen Güllegruben
zu Biogasanlagen umbauen würde, könnte man einen durchschnittlichen Kernreaktor
einsparen“, erklärt Steinmüller.
Bioethanol: Überführung
in industriellen Maßstab
Prof.
(FH) Dr. Alexander Jäger führt zusammen mit Prof. (FH) Dr. Renate Kränzl-Nagl
von der FH OÖ in Linz die Produktion von Biosprit aus Stroh in den industriellen
Maßstab über. Zusätzlich wird erstmals in Österreich das heikle Thema der
gesellschaftlichen Akzeptanz von Biotreibstoffen untersucht. „In Deutschland
hätten Anfang dieses Jahres dem Benzin bereits zehn Prozent Bioethanol
beigemischt werden müssen. Jedoch wurde diese Verordnung nicht in die Realität
umgesetzt, weil die deutsche Bevölkerung einerseits Angst um ihre Autos hatte
und andererseits das Argument ‚Treibstoff aus Lebensmitteln‘ für massive Kritik
sorgte“, berichtet Jäger und fügt hinzu: „Wir in Wels stellen Biotreibstoffe
ausschließlich aus Rest- und Abfallstoffen her.“
Vorwiegend weibliche
Forschung
Bemerkenswert
ist, dass die Bioenergieforschung an der FH OÖ in Wels vorwiegend von Frauen
durchgeführt wird. „Es freut mich besonders, dass so viele Frauen an der FH OÖ
in der Bioenergieforschung tätig sind. Um noch mehr Frauen für die Forschung zu
begeistern, haben wir den Forscherinnen-Award ins Leben gerufen, mit dem
herausragende Leistungen von Forscherinnen gewürdigt werden“, sagt Forschungslandesrätin
Mag.a Doris Hummer.
Die
Projekte werden in Kooperation mit den technischen Universitäten Wien und Graz,
dem Energieinstitut an der JKU Linz sowie mehreren Instituten in Dänemark und
Schweden durchgeführten. Die FH OÖ Fakultät für Technik und Umweltwissenschaften
Wels hat bei allen Projekten jeweils die Leitungs- und Koordinierungsfunktion.
Die Projekte werden im
Rahmen des Programms Regionale Wettbewerbsfähigkeit OÖ 2007-2013 aus Mitteln
des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung sowie aus Mitteln des Landes
OÖ gefördert.
(Quelle: FH OÖ Campus Wels, Bild FH OÖ Campus Wels)
Kommentar hinzufügen