30. November 2011 - 16:25 | Thea
Alexander Van der Bellen (G) wünscht sich Verbesserungen für
ausländische Forscher, die in die Bundeshauptstadt kommen wollen.
Behördliche Verfahren müssten einfacher und schneller erledigt werden,
sagte der Uni-Beauftragte der Stadt Wien am Mittwoch anlässlich der
Präsentation seines ersten Berichts. In Form eines One-Stop-Shop-Modells
sollten nicht nur rechtliche Rahmenbedingungen geklärt, sondern auch
Unterstützung und die Möglichkeit der Vernetzung angeboten werden. Einen
ersten Schritt hat der grüne Professor bereits erreicht: Seit einiger
Zeit gibt es bei der Magistratsabteilung 35 (Einwanderung und
Staatsbürgerschaft) für Unis eine eigene Ansprechstelle.
Derzeit kommt rund ein Drittel der
Uni-Professoren nicht aus Österreich. Dieser Trend werde sich noch
verstärken, mutmaßte Van der Bellen: "Wien wird sich dem nicht
verschließen können." Derzeit betreibe die Bundeshauptstadt aber eher
"Brain Drain". Das bedeute, dass mehr hoch qualifiziertes
Wissenschaftspersonal ab- als zuwandere. Natürlich sei in dieser Frage
vorrangig der Bund zuständig, aber die Stadt müsse sich bei der nächsten
Fremdenrechtsnovelle nachdrücklich für Verbesserungen im tertiären
Bereich engagieren.
Uni-Beauftragter
der Stadt legte ersten Bericht vor
Passend dazu lautet auch der Titel des 40-seitigen
Berichts: "Über den Tellerrand: Wien als internationale
Wissensmetropole." Als Erfolg seiner bisherigen Tätigkeit als
Uni-Beauftragter wertete der grüne Parlamentarier folglich auch eine auf
Forschungsebene eingeleitete Kooperation mit Brünn.
Die Bundeshauptstadt mit insgesamt rund 180.000
Studierenden habe als Wissenschaftsstandort "hervorragende
Voraussetzungen", etwa mit "Flaggschiffen" im Life-Science-Bereich.
Allerdings müssten diese noch deutlicher hervorgestrichen werden. Van
der Bellen wünscht sich etwa Sujets am Flughafen oder in Öffis, wo Wien
dezidiert seine Bildungsinstitutionen bewirbt. Dazu gehöre auch ein
gemeinsames Branding, um mittels Dachmarke für den Hochschulstandort das
internationale Profil zu schärfen, heißt es in dem Report des
Professors.
Über freien Hochschulzugang "muss man reden dürfen"
Zum Thema Finanzierung meinte Van der Bellen, dass
die Stadt "die Finanzmisere des Bundes" nicht voll kompensieren werde
können. Aber Wien tue hier sehr viel, griff er etwa den Wiener
Wissenschafts- und Technologiefonds (WWTF) als Beispiel heraus - und
ergänzte: "Natürlich wünsche ich mir, dass noch mehr Geld aus anderen
Bereichen umgewidmet wird."
Gefragt zu Studiengebühren bzw.
Zugangsbeschränkungen wollte sich der Professor heute nicht festlegen.
Nur so viel: "Der freie Hochschulzugang in Ehren, aber man muss auch
darüber reden dürfen." Gleichzeitig müsse auch die Qualität des
Studienangebots diskutiert werden. "Ich bin selbst ein Geschädigter
eines Massenstudiums", so der Ökonom. Vor rund zwei Monaten ließ Van der
Bellen aufhorchen, als er in einem Zeitungsinterview und gegen die
grüne Parteilinie sagte, er könne sich die Wiedereinführung von
Studiengebühren dann vorstellen, wenn der Bund die Unis besser dotiere.
Van der Bellen hatte bei der Wien-Wahl 2010 trotz
Vorzugsstimmensieg sein Gemeinderatsmandat nicht angenommen und wurde
daraufhin zum Beauftragten der Stadt Wien für Universitäten und
Forschung bestellt. Dafür stellt ihm die rot-grüne Stadtregierung gut
200.000 Euro jährlich zur Verfügung, wobei wiederholt betont wurde, Van
der Bellen selbst erhalte dafür kein Honorar. Wiens Grünen-Klubchef
David Ellensohn zeigte sich heute überzeugt, dass es wichtig gewesen
sei, diese Stelle zu schaffen: "Wenn man den Bericht ernst nimmt, kann
und soll er zukunftsweisend sein."
(APA/red, Bild APA)
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