29. November 2011 - 11:21 | Thea
Mit dem endgültigen Aus für Studiengebühren im Frühjahr 2012 rechnet
Bildungsminister Claudia Schmied (S). Das Studiengebühren-Gesetz muss
bis spätestens 29. Februar repariert werden, nachdem es der
Verfassungsgerichtshof (VfGH) in Teilen wegen zu unpräziser Bestimmungen
aufgehoben hatte. Es gebe derzeit keine Gespräche mit
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) über eine Reparatur des
Gesetzes, sagte Schmied nach dem EU-Bildungsministerrat in Brüssel vor
Journalisten. Ohne Neuregelung fehlt nach Interpretation der SPÖ und
mancher Juristen die Rechtsgrundlage für die Gebühren und sie fallen.
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V)
beruft sich hingegen auf ein Gutachten des Verfassungsexperten Heinz
Mayer, wonach ohne Neuregelung jede Uni selbstständig im Rahmen ihrer
Autonomie Studiengebühren in beliebiger Höhe einheben könnte. Die Unis
beharren allerdings auf Rechtssicherheit. Derzeit zahlen nur rund 15
Prozent der Studenten die 363,36 Euro pro Semester, nachdem SPÖ, Grüne
und FPÖ im Jahr 2008 zahllose Ausnahmeregelungen eingeführt haben.
"Mengengerüst wird es geben müssen"
Schmied forderte in Brüssel eine "große öffentliche
Diskussion", in welche Bereiche der Universitäten investiert werden
soll. Etwa wollen wir "ein Land der Betriebswirte werden?" Die
Bemühungen um einen Hochschulplan der ehemaligen
VP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn und Beatrix Karl seien "sehr
ambitioniert" gewesen, aber im Sand verlaufen. Nun arbeite mit Töchterle
bereits der dritte Minister an diesem Plan. Bei der notwendigen
Studienplatzfinanzierung werde es auch ein "Mengengerüst geben müssen",
sagte die Bildungsministern auf die Frage, ob es weitere
Studienbeschränkungen geben werde. Als "absurd" bezeichnete Schmied,
dass etwa die Universität Linz wegen geringer Studienanfängerzahlen in
Deutschland um Studierende werbe. "Da passt Angebot und Nachfrage nicht
zusammen."
Für Schuldirektoren plant Schmied einen kostenlosen
zweijährigen Management-Master, der ab Herbst 2012 von den Pädagogischen
Hochschulen (PH) angeboten werden soll. Dafür brauche es aber noch eine
Gesetzesnovelle, erklärte die Ministerin. Hintergrund: Derzeit dürfen
die PH nur kostenpflichtige Fortbildungs-Master anbieten. In
Ausschreibungen sollen dann künftig auch Qualifikationen im
Schulmanagement-Bereich berücksichtigt werden.
Thema am Bildungsministerrat war unter anderem, dass
20 Prozent der Studierenden in der EU bis zum Jahr 2020 Lernerfahrung
im Ausland gesammelt haben sollen, und sechs Prozent der Lehrlinge oder
andere junge Personen in der beruflichen Bildung dies auch tun sollten.
Für Österreich seien diese Ziele bis 2020 "sehr ambitioniert", betonte
Schmied. Rund zehn Prozent der österreichischen Studierenden gehen
derzeit ins Ausland und drei Prozent der Lehrlinge. Auch über
Bildungsinvestitionen in Zeiten der Wirtschaftskrise wurde beraten.
(APA/red, Bild APA)
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