28. November 2011 - 15:22 | Thea
"BEETon" und "Seerose" überzeugen mit Teamplaying
Eine schwimmende, barrierefreie Wegeverbindung über die Neue Donau war die Aufgabenstellung der sechsten "Concrete Student Trophy", ein etablierter Architektur- und Konstruktionswettbewerb, der als ein interdisziplinäres Kräftemessen für Studententeams aus den Fachrichtungen Architektur und Bauingenieurwesen gilt. Im Rahmen der Preisverleihung am 17. November 2011 im Haus der Zementindustrie in Wien wurden zwei erste Preise an zwei Teams der TU Graz vergeben. Die Projekte "BEETon" und "Seerose" überzeugten die Jury durch hohe Innovationskraft und Einfallsreichtum. Verlangt waren mehrere Funktionen, vereint in einem Projekt: die ökologische Komponente, Barrierefreiheit wie auch der innovative Einsatz von Beton. "Hier sehen wir eine klare Entwicklung der Universitäten, eine Offenheit aber auch den professionellen und selbstverständlichen Umgang mit dem ökologischen Werkstoff Beton", erklärt DI Felix Friembichler, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie. Die Auslober der Concrete Student Trophy, ein Konsortium bestehend aus der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie und der Bauwirtschaft, vergaben insgesamt Preisgelder von 13.000 Euro.
Im Zentrum der Aufgabenstellung stand eine attraktive, schwimmende und multifunktionale Brücke aus Beton mit integrierter Gastronomie als Verbindungsglied zwischen der Wiener Brigittenauer Bucht und der Donauinsel. Bewertet wurden der visuelle Gesamteindruck, der innovative Umgang mit Beton unter Einbeziehung der nachhaltigen Aspekte Umwelt, Soziales und Wirtschaft. Zu den Beurteilungskriterien zählte aber auch die Präsentation der Wettbewerbsbeiträge.
Teamplaying von ArchitektInnen und BauingenieurInnen
Unter dem Vorsitz von Landschaftsarchitektin DI Anna Detzlhofer wählte eine hochkarätige Jury die PreisträgerInnen aus. Mehrmals betonten die Jurymitglieder die ausgezeichnete, fruchtbare Zusammenarbeit, das hohe Niveau der StudentInnen, sowie die Bedeutung der Concrete Student Trophy für StudentInnen und ProfessorInnen. "Die Zeit ist vorbei, wo Architekten und Bauingenieure nicht zusammenarbeiten", so Univ.-Prof.Dr.-Ing. Stefan Peters, TU Graz. "Denn Bauen bedeutet Teamplaying, es bedarf der Zusammenarbeit von Spezialisten in Planung und Ausführung."
Tolle Leistung - Preisgeld erhöht
Das Projekt "Seerose" und das Projekt "BEETon" gingen aus dem Wettbewerb als Ex-Aequo-Sieger hervor. Weiters wurden zwei Projekte mit dem dritten Platz ausgezeichnet und eine Anerkennung vergeben. Die Jury beschloss nach der Präsentation der einzelnen Ideen, das Preisgeld um 1.000 Euro zu erhöhen, wodurch die beiden ersten Preisträger je 4.000 Euro erhielten, die beiden Dritt-Platzierten je 2.000 Euro und für die Anerkennung 1.000 Euro überreicht werden konnten.
Siegerprojekt BEETon - Grünes Paradies mit Selbstbewässerung
Eine gelungene Einbindung der Brücke in die Landschaft gelang dem Team Jaco Trebo, Ingo Feichter, Manuel Margesin von der TU Graz, die damit ein harmonisches Gesamtbild und einen realistischen Ansatz für die Gestaltung einer Grünbrücke erzeugen. Die Brücke mit angedockten Grünzonen, die ineinander verschlungen wirken, lässt für Überquerende und Verweilende ausreichend Raum und bietet eine hohe Aufenthaltsqualität am Wasser. Überzeugend für die Jury wirkte auch das innovative, nachhaltige Konzept zur Selbstbewässerung.
Für Ingo Feichter, der den Preis für die gelungene Arbeit allein entgegennehmen durfte, war die Zusammenarbeit mit den beiden Teamkollegen aus der Fachrichtung Architektur sehr fruchtbar. Als Bauingenieur war Feichter in diesem Bewerb doppelt engagiert und hat sowohl am Siegerprojekt BEETon als auch am Projekt Dreieck zum Quadrat erfolgreich mitgearbeitet.
Franz Forstlechner, Betreuer des Siegerteams an der TU Graz, sieht den Erfolg von BEETon besonders in der gelungenen fachlichen Interaktion: "Erst durch die Zusammenarbeit von Architektur und Bauingenieurwesen ist es ein Siegerprojekt geworden."
Siegerprojekt "Seerose" - Blättermeer mit Mehrwert
Julian Gatterer, Jürgen Holl und Christian Fischer, ebenfalls Studenten an der TU Graz, entwickelten eine reizvolle ineinanderlaufende Wegeführung, die von Skatern, Fußgängern, Radfahrern und behinderten Personen genutzt werden kann. Zwischen den schwimmenden Grünflächen wirkt die Brücke wie ein Teppich aus Seerosen, der die beiden Ufer über die Neue Donau miteinander verbindet. Die einzelnen Pontons stehen für unterschiedlichste Funktionen zur Verfügung und bieten zusätzliche Flächen für vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Das Projekt überzeugt auch durch die durchdachten technischen Eigenschaften, wie etwa der Umgang mit einer Hochwassersituation. Die Brücke könnte gut realisiert werden. Die Studenten schöpfen großen Erfahrungswert aus diesem gemeinsamen Projekt. Christian Fischer aus der Fachrichtung Bauingenieurwesen ist überzeugt, dass das Projekt nur aufgrund dieser Zusammenarbeit entstehen konnte.
Bei nahezu allen Projekten wurde die realistische Auseinandersetzung mit der Bauaufgabe deutlich: "Das hohe Niveau der Studenten hat uns beeindruckt - da gibt es zwar futuristische Ideen, aber immer mit dem Anspruch, dass diese auch gebaut werden können", zeigt sich Friembichler begeistert. Nicht minder überzeugt ist auch Franz Forstlechner vom Wettbewerb: "Die Concrete Student Trophy hat sich zu einem Fixpunkt im Studienjahr der TU Graz etabliert."
Zweimal dritter Preis - außergewöhnliche Schwimmobjekte "Urban Shells" und "Curve Connect"
"Urban Shells" heißt das Projekt von Jürgen Schretzmayer, Thomas Pachner und Benjamin Kromoser von der TU Wien, das einen völlig neuartigen Beton-Schwimmkörper darstellt, der auch in einer Hochwassersituation durchaus seine Qualitäten ins Spiel bringt. Im Planungsansatz überaus innovativ, erlangte die mit heutigen Methoden zwar beschreibbare, jedoch in Hinblick auf Umsetzung noch nicht ausreichend ausgereifte Idee den dritten Platz.
Das Team "Urban Shells" äußert sich über die Zusammenarbeit sehr positiv: "Besonders gefallen hat uns, dass von Anfang bis zum Ende alles gemeinsam gemacht wurde."
Mit "Curve Connect" landete das Team Nargjil Saipi, Justus Wünsche und Georg Brandstätter von der TU Wien ebenso auf dem dritten Platz. Formal sehr gelungen und im urbanen Kontext sehr ausgewogen versetzt die großformatige Schwimmkonstruktion die Landschaft in eine gewisse Dynamik. Einerseits durchdacht als solides Brückentragwerk, findet das Projekt andererseits nicht den richtigen Übergang zwischen städtebaulichem Instrument und sensibler natürlicher Umwelt. Außerdem wurde die Infrastruktur aus rationellen Gründen auf die Halbinsel verlegt, sodass damit nur die halbe Brücke für weitere Funktionen bespielbar ausgestaltet werden kann, etwa in der Nutzbarkeit als Badeplatz oder zum Verweilen.
Anerkennung - Dreieck zum Quadrat
Ein weiteres Team der TU Graz - Martin Zimmermann, Reinhard Löckler, Mario Benkovic und Ingo Feichter - hat mit seinem Projekt "Dreieck zum Quadrat" einen Anerkennungspreis erhalten. Die Idee der Eisberge als eine modulare Struktur für vielseitige Nutzungen bietet ein breites Wegenetz, das in Dreiecke und Quadrate in unterschiedlicher Anordnung aufgelöst ist. Der Aufbau der Konstruktion eignet sich perfekt für die Einbindung in die Landschaft, die auch weiter in die Uferbereiche ausgedehnt werden könnte. Die undifferenzierte Ausbildung der Oberflächen schwächt jedoch das Projekt.
Mutige Ideen der Studenten gehören belohnt
Die Concrete Student Trophy steht von Beginn an ganz im Zeichen hoher architektonischer Ansprüche und konstruktiver Kreativität, wobei der ökologische Aspekt einen wesentlichen Teil der Erfolgskriterien darstellt. Der Anspruch des Wettbewerbs, interdisziplinär zu arbeiten, sorgt für eine reale Situation, die den Studenten einen guten Einblick in ihr späteres Arbeitsleben gibt.
Die Jury
DI Anna DETZLHOFER, Büro für Landschaftsarchitektur, Oberstadtbaurat Senatsrat DI Gerald LOEW, Magistrat der Stadt Wien, MA 45 - Wiener Gewässer Univ.-Prof. Dr.-Ing. Stefan PETERS, TU Graz, Institut für Tragwerksentwurf DI Mario RABITSCH, STRABAG AG, Zentrale Technik Wien DI Dr. Wilhelm REISMANN, iC consulenten ZT GesmbH, Vizepräsident des Verbandes der Ziviltechniker- und Ingenieurbetriebe (VZI) Senatsrat DI Gerhard SOCHATZY, Magistrat der Stadt Wien, MA 29 - Brückenbau und Grundbau DI Wolfgang VASKO, Vasko+Partner Ingenieure, Ziviltechniker für Bauwesen und Verfahrenstechnik GmbH DI Dr. Bernd WOLSCHNER, SW Umwelttechnik Stoiser Wolschner AG, Klagenfurt, Präsident des Verbandes Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB)
Concrete Student Trophy - eine Erfolgsgeschichte
Seit 2006 wird die Concrete Student Trophy jährlich ausgeschrieben. Bisher wurden eine Sommer-Bar für das Ortszentrum Schwadorf an der Fischa, eine Rad- und Fußgänger-Brücke über den Wienfluss im 14. Bezirk in Wien, eine Autobahnraststätte, eine Brücke über den Wienfluss bei der Urania, sowie eine Aussichtsplattform für den Campus der TU Graz ausgelobt. "Wir sind überzeugt, dass wir damit die richtigen Signale an die angehenden Architekten und Bauingenieure setzen", sagt DI Felix Friembichler. Weitere Infos unter www.zement.at
(Quelle: OTS / Österreichischen Zementindustrie)
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