25. November 2011 - 14:40 | Thea

Zu einer vergleichsweise lockeren Veranstaltung wurde heute, Freitag,
Vormittag die Inaugurationsfeier von Eva Blimlinger an der Akademie der
bildenden Künste in Wien. Unter einem rosa Transparent "Down with the
Kaisers" und von Klängen der mit Laptops und tragbaren Lautsprechern
ausgestatteten MidiMarschMusik-Kapelle begleitet, erhielt Blimlinger aus
den Händen des Unirats-Vorsitzenden Alfred Brogyanyi die traditionelle
Rektoren-Kette.
Brogyanyi, der darauf hinwies, dass die Akademie
mit derzeit 1.260 Studierenden die zweitkleinste Uni Österreichs sei
("Nur Linz ist kleiner"), betonte das gute Verhältnis zwischen
Universitätsrat, Senat und dem Rektorat, das als österreichweites Unikum
rein weiblich besetzt sei. Die beiden neuen Vizerektorinnen Andrea
Braidt (Kunst/Forschung) und Karin Riegler (Lehre/Nachwuchsförderung)
müssen sich allerdings gemeinsam eine Kette teilen - das ohnedies knappe
Geld werde für anderes gebraucht als für das Anfertigen einer weiteren
Amtsinsignie, erklärte Blimlinger schmunzelnd.
Missverstandener Begriff "Autonomie"
Senatsvorsitzende Martina Pfingstl erinnerte daran,
dass die Uni-Besetzungen 2009 an der Akademie ihren Ausgang genommen
hatten, nannte Argumente wie "Was nichts kostet, ist auch nichts wert",
mit denen heutzutage für Studiengebühren geworben werde, "schlicht
Blödsinn" und Blimlinger eine "Kämpferin". "Ich denke, es wartet eine
gute Zeit auf uns."
Auf Studiengebühren kam auch Blimlinger in ihrer
Inaugurationsrede zu sprechen, in der sie die Gründungssatzung der
Akademie mit der heutigen Realität verglich. Eine Entscheidung über die
Einführung von Studiengebühren an die Unis zu delegieren, sei "ein
grundlegendes Missverständnis" und eine "Fehlinterpretation" des
Begriffs Autonomie. Sie unterstützte "nachdrücklich" die Forderung nach
einer einheitlichen Hochschullehrer-Kurie, "und wenn es schon Kurien
gibt, sollten alle im Senat das gleiche Stimmrecht haben".
Die neue Rektorin kritisierte die mangelhafte
finanzielle Ausstattung der Unis. So würden ihre Gebäude von der
Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) verwaltet, deren Auftrag es sei,
marktwirtschaftlich zu agieren. Die bürokratischen Hürden für Studenten
(und alle anderen Menschen) aus Drittstaaten sollten erleichtert werden.
Blimlinger betonte, alle Aufgaben wie etwa auch die bevorstehende
Generalsanierung des Gebäudes, seien nur gemeinsam zu bewältigen, und
wurde für ihre Rede mit großem Applaus bedacht.
Vier amtierende Rektorinnen
Mit der bereits seit 1. Oktober amtierenden
Akademie-Rektorin, Sonja Hammerschmid (Veterinärmedizinische Uni),
Christa Neuper (Uni Graz) und Sabine Seidler (Technische Uni Wien) sind
derzeit an österreichischen Universitäten vier Rektorinnen im Amt. Die
1961 geborene Blimlinger war im April zur Nachfolgerin von Rektor
Stephan Schmidt-Wulffen gewählt worden. Die Historikerin ist Verfasserin
zahlreicher Publikationen und Veröffentlichungen im Bereich
Alltagsgeschichte, Frauengeschichte, Nationalsozialismus und Zweite
Republik. Sie fungierte als Forschungskoordinatorin der
Historikerkommission der Republik und ist seit 2008 wissenschaftliche
Koordinatorin der Kommission für Provenienzforschung. Sie lehrte an
verschiedenen österreichischen Universitäten und leitete an der
Universität für angewandte Kunst Wien u.a. das Büro für
Öffentlichkeitsarbeit.
(APA/red, Bild APA)
Kommentar hinzufügen