25. November 2011 - 13:45 | Thea
Dass Gewalt in der Schule keinen Platz haben darf, darin sind sich
alle Schulpartner einig. Nicht aber darin, wie darauf reagiert werden
soll. Während die Pflichtschullehrergewerkschaft bei Problemschülern
mehr Durchgriffsrechte für Lehrer fordert und unkooperativen Eltern die
Familienbeihilfe einfrieren will, plädierte Claudia Schmied (S) heute
bei der Vernetzungstagung der Anti-Gewaltkampagne "Weiße Feder" für
"Respekt und Wertschätzung". "Rückfälle in 'Rohrstaberl-Debatten' und
die 'Schwarze Pädagogik' des 19. Jahrhunderts mit ihren erwiesenermaßen
schrecklichen Folgen lehne ich dabei vehement ab", so Schmied in einer
Aussendung.
Die Ministerin rief Schulpartner aus allen
Bundesländern zu einer "gemeinsamen Kraftanstrengung auf", schließlich
könnten "Phänomene" rund um Gewalt an der Schule "durch Dialog und
Kooperation (...) am wirkungsvollsten bekämpft werden". Das hätten
Erfahrungsberichte jener Schulen gezeigt, die sich aktiv an
Anti-Gewaltprogrammen beteiligen. Zudem hätten zwei Drittel der Schulen
mittlerweile in Verhaltensvereinbarungen unter Einbeziehung aller
Schulpartner Folgen von bestimmten Handlungen vereinbart. "Das ist
demokratiepolitisch und pädagogisch weitaus sinnvoller und wirksamer als
obrigkeitsstaatliche Sanktionenregimes im Kasernenhofstil", so Schmied
unter Berufung auf Experten aus den Bundesländern.
"Sind Schule, nicht Polizei"
Die Lehrervertreter forderte sie direkt auf, "die
Lehrerschaft zur Teilnahme an Programmen gegen Gewalt zu motivieren".
Von der Forderung von Pflichtschullehrer-Gewerkschafter Paul Kimberger
von der VP-nahen Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG),
unkooperativen Eltern von Problemschülern die Familienbeihilfe
einzufrieren, hält sie nichts. "Wir sind die Schule und nicht die
Polizei", so Schmied. "Es ist aus legistischen und pädagogischen Gründen
absolut undenkbar, dass LehrerInnen plötzlich Geldstrafen von Eltern
einzuheben beginnen." Stattdessen werde im Umgang mit längerfristig
verhaltensauffälligen Schülern verstärkt auf regionale
Unterstützungssysteme wie etwa schulpsychologische Beratungsstellen
gesetzt.
Um Gewalt bereits im Vorfeld zu vermeiden, bieten
die Aktionen "Weiße Feder" und "Macht/Schule/Theater" Schulen u.a.
Schulpsychologen, eigene Beratungsstellen in jedem Bundesland,
Fortbildungsangebote an Pädagogischen Hochschulen (PH) sowie
Pilotprojekte zum Ausbau schulischer Sozialarbeit an.
(APA/red, Bild APA/DPA)
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