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Fachtagung an der FH OÖ in Linz: Ist das gerecht mit dem Geschlecht?

Berliner Experte fordert bei Fachtagung der FH OÖ „Männerquote“ bei Pädagogen

Fachtagung an der FH OÖ in Linz: Ist das gerecht mit dem Geschlecht?

Unter dem Motto „Gleich und doch ganz anders“ widmete sich eine Tagung der FH Oberösterreich und der Österreichischen Gesellschaft für Interdisziplinäre Familienforschung (ÖGIF) mit über 250 TeilnehmerInnen der Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern. Viele gesellschaftliche Phänomene sind jedenfalls durch das Geschlecht mitbestimmt – ob es die Jugendkriminalität oder Leistungsverweigerung in der Schule ist. „Diese Tagung analysierte die Ursachen für diese Unterschiede und diskutierte, welcher Handlungsbedarf für unterschiedliche Berufsgruppen notwendig ist“, wie Prof. (FH) Dr. Renate Kränzl-Nagl (FH OÖ) hervorhebt.

Geschlechtersozialisation als Herausforderung wurde insbesondere von Keynote-Speaker Prof. Dr. Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance in Berlin thematisiert. Familie, Schule und Gesellschaft sieht der Experte dabei gleichermaßen in der Pflicht. Warum Burschen seit den 80er Jahren bei der Leistungsbereitschaft stagnieren und Mädchen zulegen konnten, ist nicht genau geklärt. „Wir brauchen nach jahrelanger Mädchenförderung parallel auch eine explizite Burschenförderung. Burschen brauchen klare Ansagen und decodieren soziale Umgangsformen weniger gut als Mädchen das können“, so der Experte, der dazu auch eine Männerquote von mindestens 20 Prozent im vorschulischen Erziehungsbereich und in der Volksschule fordert: „Leistung wird aufgrund fehlender männlicher Akteure sonst als etwas Weibliches, ergo als unmännlich wahrgenommen. Für die weitere Entwicklung jedoch ist diese Lebensphase ganz entscheidend.“

Mehr Freiräume zur Erprobung flexibler, männlicher Rollenmodelle

Dass Feminisierung und Bildungsrevolution keinesfalls zu einer Einebnung von Geschlechterunterschieden führt und Handlungsbedarf gesehen wird, beweist die rege Teilnahme von ExpertInnen aus Bildungsforschung, Psychologie und Psychiatrie, Soziale Arbeit sowie Justiz. „Buben als Bildungsverlierer“ und „Mädchen auf der Überholspur“ bewegen als gesellschaftliche Tendenzen bereits die Fachwelt, noch bevor sie einer breiten Öffentlichkeit richtig bewusst geworden sind.

Der schulische Leistungsabfall bei Burschen verstärkt sich insbesondere in der Pubertät, wie Univ. Prof. Dr. Johann Bacher (JKU Linz) betonte. Er hängt wesentlich von der weniger günstigen Bewältigung altersspezifischer Entwicklungsaufgaben sowie vom Fehlen positiver, männlicher Rollenmodelle in Familie und Schule ab. Dementsprechend wurden von den ExpertInnen vermehrt Freiräume für Burschen, flexible männliche Rollenmodelle in Schule, Familie und Freizeit zu erproben, gefordert, um die derzeit beobachtbaren Geschlechterungerechtigkeiten abzubauen.

Bildtext: Mehr Männer im Vor- und Volksschulbereich wünscht sich Prof. Dr. Klaus Hurrelmann aus Berlin

Bildquelle: FH OÖ (Abdruck honorarfrei)

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