25. November 2011 - 11:06 | Thea
Berliner Experte fordert
bei Fachtagung der FH OÖ „Männerquote“ bei Pädagogen
Fachtagung
an der FH OÖ in Linz: Ist das gerecht mit dem Geschlecht?
Unter dem Motto „Gleich
und doch ganz anders“ widmete sich eine Tagung der FH Oberösterreich und der
Österreichischen Gesellschaft für Interdisziplinäre Familienforschung (ÖGIF)
mit über 250 TeilnehmerInnen der Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern.
Viele gesellschaftliche Phänomene sind jedenfalls durch das Geschlecht
mitbestimmt – ob es die Jugendkriminalität oder Leistungsverweigerung in der
Schule ist. „Diese Tagung analysierte die Ursachen für diese Unterschiede und
diskutierte, welcher Handlungsbedarf für unterschiedliche Berufsgruppen
notwendig ist“, wie Prof. (FH) Dr. Renate Kränzl-Nagl (FH OÖ) hervorhebt.
Geschlechtersozialisation
als Herausforderung wurde insbesondere von Keynote-Speaker Prof. Dr. Klaus
Hurrelmann von der Hertie School of Governance in Berlin thematisiert. Familie,
Schule und Gesellschaft sieht der Experte dabei gleichermaßen in der Pflicht.
Warum Burschen seit den 80er Jahren bei der Leistungsbereitschaft stagnieren
und Mädchen zulegen konnten, ist nicht genau geklärt. „Wir brauchen nach
jahrelanger Mädchenförderung parallel auch eine explizite Burschenförderung. Burschen
brauchen klare Ansagen und decodieren soziale Umgangsformen weniger gut als
Mädchen das können“, so der Experte, der dazu auch eine Männerquote von
mindestens 20 Prozent im vorschulischen Erziehungsbereich und in der
Volksschule fordert: „Leistung wird aufgrund fehlender männlicher Akteure sonst
als etwas Weibliches, ergo als unmännlich wahrgenommen. Für die weitere
Entwicklung jedoch ist diese Lebensphase ganz entscheidend.“
Mehr Freiräume zur
Erprobung flexibler, männlicher Rollenmodelle
Dass
Feminisierung und Bildungsrevolution keinesfalls zu einer Einebnung von
Geschlechterunterschieden führt und Handlungsbedarf gesehen wird, beweist die
rege Teilnahme von ExpertInnen aus Bildungsforschung, Psychologie und
Psychiatrie, Soziale Arbeit sowie Justiz. „Buben als Bildungsverlierer“ und
„Mädchen auf der Überholspur“ bewegen als gesellschaftliche Tendenzen bereits
die Fachwelt, noch bevor sie einer breiten Öffentlichkeit richtig bewusst
geworden sind.
Der
schulische Leistungsabfall bei Burschen verstärkt sich insbesondere in der
Pubertät, wie Univ. Prof. Dr. Johann Bacher (JKU Linz) betonte. Er hängt
wesentlich von der weniger günstigen Bewältigung altersspezifischer
Entwicklungsaufgaben sowie vom Fehlen positiver, männlicher Rollenmodelle in
Familie und Schule ab. Dementsprechend wurden von den ExpertInnen vermehrt
Freiräume für Burschen, flexible männliche Rollenmodelle in Schule, Familie und
Freizeit zu erproben, gefordert, um die derzeit beobachtbaren
Geschlechterungerechtigkeiten abzubauen.
Bildtext: Mehr Männer im Vor- und
Volksschulbereich wünscht sich Prof. Dr. Klaus Hurrelmann aus Berlin
Bildquelle:
FH OÖ (Abdruck
honorarfrei)
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