24. November 2011 - 15:38 | Thea
Wissenschaftern der Medizinischen Universität Wien (MedUni Wien)
haben erstmals nachgewiesen, dass es schon im Gehirn von Föten neuronale
Netzwerke gibt. Vom Säugling bis zum Senioren sind solche Netzwerke für
verschiedenste Aufgaben zuständig, etwa für Sensomotorik,
Kurzzeitgedächtnis, Sehen, etc. Unklar war bisher, ob auch im Gehirn von
Ungeborenen verschiedene Regionen in einer gerichteten Funktion
zusammenarbeiten. Den Wiener Medizinern ist nun dieser Nachweis mit
Hilfe funktioneller Magnetresonanz-Tomographie (fMRT) gelungen.
Im Gehirn jedes Menschen, gleich welchen Alters,
sind sogenannte Ruhenetzwerke ("Resting-State-Netzwerke") aktiv, ganz
gleich ob man arbeitet, schläft oder anästhesiert am OP-Tisch liegt, wie
Studienleiterin Veronika Schöpf im Gespräch mit der APA erklärte. Es
handle sich praktisch um Autobahnen zwischen verschiedenen Hirnregionen,
entlang derer die Neuronen feuern.
Diese Netzwerke verändern sich ganz charakteristisch
im Laufe des Lebens, und auch bei neurodegenerativen Erkrankungen wie
Alzheimer oder Parkinson. Die Wissenschafter wollten in ihrer Studie
untersuchen, ob es solche Netzwerke auch schon im Ungeborenen gibt.
Entwicklungsfortschritt von Hirnaktivität darstellbar
In der Studie an der klinischen Abteilung für
Neuroradiologie und muskoskeletale Radiologie der MedUni Wien wurden 16
Feten zwischen der 20. und 36. Schwangerschaftswoche mittels fMRT
untersucht. "Wir konnten dabei erstmals zeigen, dass sich solche
Netzwerke schon in utero bilden und diese mit Hilfe von funktioneller
Bildgebung nachgewiesen und dargestellt werden können", so Schöpf.
Damit das gelingen konnte, habe es "sehr viel
Auswertetechnik bedurft, da steht sehr viel Mathematik dahinter", so
Schöpf, die darauf verweist, dass das von Daniela Prayer geleitete
Zentrum für pränatale MRT an der MedUni Wien "weltweit führend in der
fötalen Bildgebung" sei.
In Zukunft soll dies ermöglichen, pathologische
Veränderungen in der Entwicklung des Gehirns schon frühzeitig zu
erkennen. So könnten etwa funktionelle Störungen etwa der Sehbahnen oder
der Motorik bereits im Mutterleib erkannt werden.
(APA / red, Bild APA/EFE)
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