23. November 2011 - 13:13 | Thea
Lehrende und die HochschülerInnenschaft (ÖH) an der Uni Wien treten
für eine Reform der neuen Studieneingangs- und Orientierungsphase
(STEOP) ein. Dass man nach nur einer negativen Prüfungswiederholung
lebenslang für sein Wunschstudium gesperrt ist, ist für die ÖH
"untragbar". Die Lehrenden sehen indes laut Kuriensprecher Karl Ille
ihre Arbeit missbraucht: "Die STEOP darf kein untaugliches
Selektionsinstrument sein und muss eine tatsächliche Studienorientierung
ermöglichen", fordert er gegenüber der APA. An der Uni-Spitze sieht man
indes keinen Handlungsbedarf.
Die STEOP gilt seit Herbst an jenen elf Unis,
die keine generellen Zugangsbeschränkungen haben. Nur wer alle Prüfungen
im ersten Semester besteht, darf weiter studieren. Das Gesetz sieht
dabei nur eine Prüfungswiederholung vor, um eine negative Note
auszubessern. Wer eine Prüfung zum zweiten Mal nicht schafft, ist für
immer für das betreffende Fach an der jeweiligen Uni gesperrt. Die Unis
können aber autonom einen dritten Prüfungsantritt erlauben - was auch
alle außer der Uni Wien und der Uni Linz tun. Auch das Ausmaß an
Prüfungen unter diesen verschärften Bedingungen ist an der Uni Wien
höher als an anderen Universitäten.
Dritter Prüfungsantritt sollte erlaubt werden
Angesichts dieser Situation hat die Plattform
universitäre Mitbestimmung (PLUM) an der Uni Wien Dienstagabend zu einer
Diskussionsveranstaltung geladen. Für PLUM-Vertreter Ille ist die
derzeitige Regelung immer noch besser als generelle
Zugangsbeschränkungen. Dennoch müsse es eine Reparatur geben, etwa ein
dritter Prüfungsantritt erlaubt werden. "Der Druck vonseiten der
Lehrenden, Studierenden und auch Teilen des Senats ist mittlerweile sehr
groß."
Aus Illes Sicht dürfte die STEOP für die Lehrenden
problematischer sein als für die Studenten, denn "sie wird nicht sehr
selektiv gehandhabt". Immerhin seien den Lehrenden die Folgen bewusst.
Durch die vorgeschriebenen zwei Antritte pro Semester sei jedoch weniger
Zeit für Unterricht. Wegen der kurzen Fristen für die Prüfungskorrektur
müssten nun außerdem Multiple-Choice-Verfahren eingesetzt werden. "Wir
werden dazu gezwungen, eine Maschine darüber entscheiden zu lassen, ob
jemand sein Wunschstudium fortführen darf", kritisiert der Romanist.
Julia Kraus (Kommunistischer StudentInnenverband -
Linke Liste) vom ÖH-Vorsitzteam an der Uni Wien warnt gegenüber der APA
vor negativen Folgen wie noch höherem Druck auf die Studenten. Auch wenn
die ÖH - wie auch die PLUM - die Studieneingangsphase an der Uni Wien
ursprünglich mitbeschlossen hat, weil sie "das kleinere Übel" als die
geplanten Platzbeschränkungen in Massenfächern gewesen sei, muss diese
in ihrer derzeitigen Form weg, so Kraus. Ihre Forderung: tatsächliche
Orientierung und keine Sperre.
Uni-Senat: "Allenfalls Korrekturen bei Studienplänen"
Helmut Fuchs, Vorsitzender des Senats an der Uni
Wien, sieht keinen Bedarf nach einer neuen Regelung, allenfalls brauche
es einzelne Korrekturen bei den in sehr kurzer Zeit erstellten
Studienplänen. "Die STEOP soll mit einem klaren, straffen Programm mehr
Struktur in den Studienanfang hineinbringen, um hier die Ressourcen
besser einzusetzen. Das soll den Studierenden der späteren Semester
zugutekommen", erklärt er die Intention des Senats. "Wenn ein Student
gleich am Anfang mehrfach durchfällt, sollte er sich überlegen, ob er
ein anderes Studium wählt oder für einige Zeit in die Berufspraxis
geht." Dass es nur eine Prüfungswiederholung gibt, sieht er nicht als
Problem ("Das ist internationaler Standard"), allerdings würde er sich
anstelle der lebenslangen nur eine ein- bis zweijährige Sperre für das
jeweilige Fach wünschen.
"Dann sollte eine weitere Wiederholung möglich
sein." Insgesamt sei die STEOP derzeit die beste Möglichkeit, den
Studienzugang zu regeln - und dass die Anforderungen an der Uni Wien
etwas höher als an andere Unis seien, liege möglicherweise auch an deren
vergleichsweise geringeren Studentenzahlen bei höherem Budget. Nur die
Wirtschaftsuniversität stehe unter ähnlichem Druck. 31 Prozent aller
Studenten besuchen die Uni Wien, vom Budget bekomme sie aber nur 15
Prozent. "Ich persönlich bin für den offenen Zugang - aber nur, wenn die
Unis genug Geld bekommen, um alle Studenten gut betreuen zu können."
(APA/red, Bild APA)
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