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Studie: 85,6 Prozent der österreichischen Frauen waren bereits psychischer Gewalt ausgesetzt

Jede dritte Österreicherin ist am Arbeitsplatz schon schikaniert worden. Unter anderem zu diesem Ergebnis kam Österreichs erste gewalt-präventive Studie "Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Umfeld". Sie wurde, beauftragt vom Familienministerium, vom Österreichischen Institut für Familienforschung durchgeführt und am 21. November in Wien präsentiert. "Ich bin schockiert über das enorme Ausmaß an Gewalt," sagte Konsulentin Monika Schröttle zu den Ergebnissen.

Insgesamt waren bereits 85,6 Prozent der österreichischen Frauen psychischer Gewalt ausgesetzt. 39,8 fühlten sich dadurch bedroht. Psychoterror sahen sich 24,1 Prozent bereits ausgesetzt, 54,8 Prozent empfanden diesen als Angst auslösend. Auf "verletzende Art lächerlich gemacht" fühlten sich 51,9 Prozent (31,7 Prozent) der Frauen und "wiederholt beleidigt" 51,8 Prozent (47,5). Ungewollt kontaktiert wurden 28 Prozent, wobei 35,6 Prozent dies auch als bedrohlich empfanden.

Körperlicher Gewalt ausgesetzt waren 56,8 Prozent der Frauen. 29,6 Prozent sahen dabei ein bedrohliches Ausmaß der Gewalt. Jede Dritte Frau hat schon einmal eine leichte Ohrfeige bekommen, fünf Prozent wurden verprügelt. Sexuell belästigt fühlten sich gar schon 74,2 Prozent der Frauen, 29,2 Prozent im bedrohlichen Ausmaß.

Hohes Maß an sexuellen Übergriffen

Jede Zehnte wurde mit sexuellen Absichten verfolgt. 42 Prozent der Frauen wurde nachgepfiffen - und 35,9 Prozent sahen das als bedrohlich an. 30 Prozent waren schon Opfer echter sexueller Gewalt, sieben Prozent wurden vergewaltigt, bei 8,9 Prozent wurde das versucht. Ein Viertel wurde intim berührt, ohne das zu wollen.

"Männer werden eher in der Öffentlichkeit oder am Arbeitsplatz zu Gewaltopfern (definiert auch im Sinne von Belästigung, Anm.) als Frauen, die grundsätzlich massivere Folgen der Gewalt erleben. Männer sind weniger 'häusliche' Opfer", erklärte Schröttle. "Die Zusammenhänge der Gewalt an Frauen sind mannigfaltiger und sie werden auf mehr Ebenen zu Opfern als Männer."

Erstmals Geschlechtervergleich

Befragt wurden 2.334 Österreicher zwischen 16 und 60 Jahren. Die Studie ist die erste in Europa, die "einen Geschlechtervergleich aufsetzt", sagte Mit-Autor Olaf Kapella. "Erhoben wurde auch die psychische Gewalt wie Mobbing, da diese in den letzten Jahren im Ansteigen begriffen war." Untersucht wurde in vier Bereichen: psychische und körperliche Gewalt sowie sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt. Dazu wurde erhoben, inwiefern eine Gewalthandlung (außer bei sexueller Gewalt) als bedrohlich empfunden wird.

Die Studie zeigte, dass Frauen und Männer von Gewalt betroffen sind, diese aber unterschiedlich wahrnehmen. Frauen sind öfter im engsten sozialen Umfeld von Gewalt betroffen und kämpfen mit schlimmeren sowie längeren Nachwirkungen als Männer, bei denen sich Gewalt (in der Opferrolle) tendenziell eher öffentlich abspielt. Frauen werden eher in der Partnerschaft und in der eigenen Wohnung zu Opfern - "primär im engen sozialen Nahraum und in der Partnerschaft", so Kapella.

Drei Viertel Gewalt-Opfer als Kind

Getrennt abgefragt wurden in der Studie Gewalterfahrungen von Österreichern in der Kindheit bis zum 16. Lebensjahr. Drei Viertel der befragten Personen haben psychische und/oder körperliche Gewalt erlebt. Dabei zeigten sich kaum Unterschiede zwischen Frauen und Männern - außer bei der sexuellen Gewalt: Mit 27,7 Prozent Nennungen waren mehr als doppelt so viele Mädchen sexuellen Übergriffen ausgesetzt als Männer (zwölf Prozent).

Männer wurden im Studienschnitt bereits zumindest einmal in ihrem Leben zu 78,4 Prozent Opfer psychischer und zu 61,4 Prozent von körperlicher Gewalt. Bedrohlich empfanden dies 30 beziehungsweise 27,9 Prozent. 27,2 Prozent wurden schon sexuell belästigt (5,6 Prozent) und 8,8 Prozent sahen sich bereits sexueller Gewalt ausgesetzt.

Als "erstaunlich", analysierte Schröttle die männlichen Opfer-Daten sexueller Gewalt. "Hier ist noch viel zu forschen. Wir gehen davon aus, dass Männer eher dazu tendieren, sozial erwartete Antworten zu geben." Fühlen sich Männer etwa von Frauen sexuell belästigt, würden sie davon sprechen, die Frau zurückgewiesen zu haben - aus Desinteresse: "Als hätte der Mann alleine die Kontrolle", so Schröttle.

(APA/red, Bild APA)

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