21. November 2011 - 11:12 | Thea
Für die Bildungsexpertin Christa Koenne ist mit der 2013/14
startenden Zentralmatura die "Stunde der Wahrheit" und gleichzeitig das
Ende der "Schwindelkultur" bei der Mathe-Reifeprüfung gekommen. Derzeit
würden die Schüler lernen, Aufgaben rezeptartig zu lösen., "sie können
nicht das, was wir ihnen und uns vorschwindeln." Bei den Probeläufen zur
Zentralmatura, bei der Kompetenzen und nicht kurzfristiges Detailwissen
gezeigt werden muss, seien die Erfolgschancen der Schüler deshalb
"äußerst gering" gewesen. Für Koenne sind nun die Lehrer gefordert,
ihren Unterricht anzupassen.
An Unterstützung aus dem Unterrichtsministerium
mangle es dabei nicht, so die frühere Mathelehrerin und AHS-Direktorin
zur APA. Ganz friktionsfrei wird der nötige Kulturwandel jedoch nicht
über die Bühne gehen. So haben am 17. November AHS-Lehrergewerkschaft
sowie Eltern- und Schülervertreter eine Verschiebung der Zentralmatura
in Mathe und Deutsch gefordert, da die Schüler mangels Lehrmaterial und
konkreter Vorgaben nicht sinnvoll darauf vorbereitet werden könnten. Für
Koenne ist das lediglich ein Zeichen der "Angst vor Veränderung" des
Schulsystems: "Der Zugang zu einer Unzahl von Unterlagen ist gegeben",
verweist sie auf das Material, das im Auftrag des Ministeriums vom
Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) erstellt wurde. "Die Lehrer
müssen halt ihren Unterricht so ändern, dass diese Art von Beispielen
für ihre Schüler lösbar ist."
Koenne
für Vergleichbarkeit im Schulbereich
Dieser neue Zugang widerspreche aber der bisherigen
Praxis, dass Lehrer Beispiele stark nach ihren persönlichen Vorlieben
ausgesucht haben, so Koenne. Die Forderung nach besserer
Vergleichbarkeit unterstützt sie dennoch vollends. "Schule ist ja kein
Atelier für freischaffende Künstler, wo jeder sich das heraussucht, was
ihn selber am meisten interessiert", so ihre nach eigenem Bekunden
überspitze Darstellung. Bei der Zentralmatura gehe es nun weniger um das
Umlegen von Rezepten auf verschiedene Beispiele als um "Begründen,
Argumentieren, Durchblick haben", so Koenne. "Das ist schon die
gescheitere Art zu prüfen. Das wissen die Lehrer auch. Was sie sich
weniger zutrauen, ist, die Schüler dorthin zu begleiten."
Immerhin sei es, wenn man einmal lange genug im
selben Trott gelebt habe, eine Herausforderung und auch ein
Arbeitsaufwand, den Unterricht zu ändern. Dass die Vorgaben nun von
Außen kommen, begründet sie mit Versäumnissen der Gewerkschaft in der
Vergangenheit. "Wir hätten uns die gesamte Zentralmatura erspart, wenn
Lehrer das längst selber gemacht hätten, sich gemeinsam überlegt hätten,
welche Beispiele bei der Matura zu stellen sind." Das sei aber daran
gescheitert, dass die Gewerkschaft sich nur um Arbeitsbedingungen und zu
wenig um die Profession gekümmert habe. "Wenn sich jede Schule und
später jede Region und letztlich alle sich dieser gemeinsamen Aufgabe
gestellt hätten, müssten wir die Vorgaben jetzt nicht von außen
kriegen."
(APA/red, Bild APA)
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