21. November 2011 - 11:00 | Thea

Auch wenn das Bildungsniveau in Österreich generell in den
vergangenen 30 Jahren stark angestiegen ist, sind die Chancen auf höhere
Bildung noch immer ungleich verteilt. Diesen sogenannten
"Fahrstuhleffekt" hat die Soziologin Nina Sophie Fritsch nun durch einen
Vergleich der PISA-Leistungen von Österreich und Finnland belegt.
Bildungsungleichheit bedeutet jedoch nicht nur schlechtere Chancen am
Arbeitsmarkt, sie hemmt auch den Wohlstand eines Landes insgesamt, wie
die Volkswirtschafterin Petra Sauer in einer statistischen Studie zeigt.
Die beiden Diplomarbeiten wurden von der Arbeiterkammer (AK) gefördert
und am 17. November in Wien präsentiert.
Waren in Österreich früher Mädchen und Kinder
aus ländlichen Gebieten im Bildungsbereich benachteiligt, sind es heute
verstärkt Schüler mit Migrationshintergrund und aus ärmeren Familien.
Fritsch hat in ihrer Studie für Österreich einen starken Einfluss von
sozialer Herkunft, Migrationshintergrund und Geschlecht auf die
Ergebnisse der PISA-Studie 2006 im Bereich Naturwissenschaften
nachgewiesen. Auch in Finnland schneiden Kinder aus armen Familien und
mit ausländischen Wurzeln schlechter ab, die Unterschiede sind laut
Fritsch allerdings im Großen und Ganzen "weniger stark ausgeprägt".
Zwischen Buben und Mädchen gibt es dort hingegen gar keinen
Leistungsunterschied.
Ungleichverteilung als wirtschaftlicher Hemmschuh
Anhand des "Gini-Koeffizienten", einem statistischen
Maß zur Darstellung von Ungleichverteilungen, hat Sauer die positiven
individuellen und sozialen Effekte von Bildung für 138 Länder über einen
Zeitraum von 1950 bis 2010 untersucht. In ihrer Studie zeigt sich nicht
nur, dass Bildungsungleichheit per se ein Hemmer von Wohlstand ist.
Diese reduziert auch insgesamt die wohlstandssteigernden Effekte von
Bildung für ein Land. Dabei gilt: Je höher das durchschnittliche
Bildungsniveau, desto nachteiliger wirkt sich Bildungsungleichheit aus.
Umgekehrt konnte Sauer belegen, dass gleicher Zugang zu Bildung sowohl
die persönlichen Chancen verbessert, als auch Beschäftigung und Wachstum
fördert.
"Wir von der Arbeiterkammer wollen, dass alle Kinder
unabhängig von ihrer familiären Herkunft gleich gut gefördert werden",
so Gabriele Schmid, Leiterin der Abteilung Bildungspolitik der AK Wien,
in einer Aussendung. Die AK tritt für weitere Schritte in Richtung
gemeinsamer Mittelstufe, mehr Ganztagsbetreuung in guter Qualität und
mehr persönliche Förderung in der Schule ein: "Wenn wir alle Talente
fördern, ist das gut für jede Einzelne und jeden Einzelnen, und wir
sichern damit auch Beschäftigung und Wachstum in unserem Land."
(APA/red, Bild APA)
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