15. November 2011 - 17:27 | Thea

Die Reform der Lehrlingsförderung ist fix: Am 15. November wurde im Ministerrat das neue Berufsausbildungsgesetz (BAG) beschlossen, mit dem ab 2012 neue Schwerpunkte in der Lehrlingsförderung gesetzt werden können. Damit sollen vor allem die Ausbildungsabbrüche reduziert werden.
"Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftebedarfs der Betriebe wollen wir neue Zielgruppen für die Lehre erschließen und die Zahl der Ausbildungsabbrüche langfristig halbieren", betonte Wirtschafts- und Jugendminister Reinhold Mitterlehner (V) in einer Aussendung. Bis 2015 werde die Zahl der 15-Jährigen laut Prognosen um rund 15.000 zurückgehen. Daher sei es ein Gebot der Stunde, die Treffsicherheit bei der Lehrberufswahl und der weiteren Ausbildung zu erhöhen.
Im Rahmen eines Pilotprojekts werde daher 2012 ein neues Programm starten, das Lehrlinge und Ausbildungsbetriebe gezielt bei Problemen unterstützt. Zu den Schwerpunkten zählen Rechts- und Förderberatung, aber auch Mediation und Krisenintervention. Zusätzlich werden für zehn Zukunftsberufe (wie zum Beispiel Metalltechnik, Elektrotechnik, Chemielabortechnik, bautechnischer Zeichner) neue Leitlinien erstellt, die vor allem Betriebe, die erstmals Lehrlinge ausbilden, bei der Ausbildungsplanung unterstützen sollen.
Lehrlinge mit Migrationshintergrund sollen besonders unterstützt werden
Ein besonderer Fokus liege dabei auf der Unterstützung von Lehrlingen mit Migrationshintergrund und ihren Ausbildnern sowie auf von Migranten geführten Betrieben. Stärker unterstützt werden sollen auch Ausbildungsunternehmen, die Auslandspraktika von Lehrlingen forcieren. Ein weiteres Ziel ist die Qualitätssicherung bei den Lehrabschlussprüfungen.
Die BAG-Novelle ermöglicht dem Wirtschafts- und dem Sozialminister einvernehmlich neue Förderrichtlinien zu erlassen, mit denen allein im nächsten Jahr bis zu 11,5 Mio. Euro zielgerichtet und unbürokratisch für die Lehrlingsförderung eingesetzt werden können. Finanziert Programm durch Umstrukturierungen der Lehrlingsförderung, die aus dem Insolvenzentgeltfonds (Pleitefonds) gespeist wird. Nach Berechnungen der zuständigen WKÖ Inhouse GmbH stehen 2012 zusätzlich zu den bereits gebundenen Mitteln (z.B. für die Basisförderung) von rund 140 Mio. Euro voraussichtlich 22,6 Mio. Euro zur Verfügung. Aufgrund der aktuellen Konjunkturprognosen sollen davon vorläufig die oben genannten 11,5 Mio. Euro investiert werden. Der Rest, rund 11,1 Mio. Euro, diene angesichts der prognostizierten Konjunkturentwicklung als Reserve und werde in eine für die Lehrlingsförderung zweckgebundene Rücklage fließen.
Weiters soll im Rahmen der BAG-Novelle die Anrechnung von einschlägigen Vorkenntnissen auf die Lehrabschlussprüfung erweitert werden. In der Praxis werde das vor allem Fachkräften mit Migrationshintergrund helfen, ihre im In- und Ausland erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten besser zu verwerten, so Mitterlehner. Damit werden die schon jetzt bestehenden gesetzlichen Möglichkeiten der Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen weiter ausgebaut.
Konkret werden Prüfungswerbern informell oder non-formal erworbene Qualifikationen auf die Lehrabschlussprüfung angerechnet. Die zuständige Lehrlingsstelle beurteilt, welche Qualifikationen für eine Anrechnung infrage kommen und legt fest, welche Teile der Gesamtqualifikation noch fehlen und zu ergänzen sind.
Ein Inkrafttreten der BAG-Novelle ist für den 1. Jänner 2012 geplant. Die darauf basierenden neuen Förderrichtlinien werden derzeit erarbeitet und sollen parallel dazu erlassen werden, so das Wirtschaftsministerium.
(APA / red, Bild APA)
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