15. November 2011 - 17:20 | Thea
"Autonomy Scorecard" der European University Association
In punkto institutioneller Autonomie sind Österreichs Universitäten im europäischen Vergleich im Mittelfeld angesiedelt, wie ein am Dienstag veröffentlichter Bericht der European University Association (EUA) zeigt. Laut der "Autonomy Scorecard" befinden sich die heimischen Hochschulen bei der Organisations-, Personal- und akademischen Autonomie mit jeweils mehr als 70 Prozent im "mittel-hohen" Sektor, bei der Finanzautonomie mit knapp 60 Prozent im "mittel-niedrigen" Bereich.
Die Studie kommt nur wenige Tage nach einer in Interviews mit der Tageszeitung "Presse" geäußerten Meinungsverschiedenheit zwischen Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V). Schmied hatte die Frage aufgeworfen, "ob die Uni-Autonomie, wie sie derzeit ausgestaltet ist, wirklich zum Erfolg führt", während Töchterle eine verstärkte staatliche Steuerung ablehnte. Die seit 2004 für die 21 staatlichen Unis geltende Autonomie sei eine "Erfolgsgeschichte", habe sich bewährt und sei "weit über die Landesgrenzen bekannt".
Das kann der Bericht zwar nicht bestätigen, sieht Österreich aber zumindest im Bereich der Organisationsautonomie, die vor allem die Bestellung und Details des Uni-Rektorats miteinbezieht, mit 78 Prozent im "mittel-hohen" Bereich als "höchst flexibel" auf Rang 8. Analysiert wurden 28 Universitätssysteme in 26 europäischen Ländern, wobei das deutsche System in die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Hessen und Brandenburg aufgeschlüsselt ist.
Bei den Fragen der akademischen Autonomie liegen die heimischen Hochschulen mit 72 Prozent auf Rang 9. Kaum Freiheiten haben Unis in Österreich hier in der Frage der (nur in Ausnahmefällen wie Medizin oder Psychologie vorhandenen) Beschränkung von Studienplätzen und der (ebenfalls seltenen) Möglichkeit, Studenten selbst auszuwählen. Allerdings können die Unis bei den Lehrinhalten, der Einführung neuer bestehender Studienprogramme sowie bei der Wahl der Unterrichtssprache autonom agieren. Die EUA hebt außerdem positiv hervor, dass Österreich eines von vier Ländern ist, in denen die Unis ihre qualitätssichernden Mechanismen selbst nach ihren Bedürfnissen auswählen können.
Im Bereich der Personalautonomie rangiert Österreich mit 73 Prozent auf Rang 13 und gehört mit u.a. Schweden zu jenen Ländern, die sich zwar an gewisse gesetzliche Richtlinien halten müssen, aber tendenziell freie Hand bei der Personalpolitik haben. Knapp unter 60 Prozent im "Autonomy score" erreichen die heimischen Hochschulen bei der Finanzautonomie (59 Prozent) und zählen damit zu den Staaten mit "mittel-niedriger" Flexibilität. Dabei wird neben der Art der öffentlichen Finanzierung berücksichtigt, dass die Unis nur beschränkt Studiengebühren einheben können. Ein Kriterium ist auch, ob die Unis selbst über ihre Gebäude bestimmen können. Dass diese in Österreich de facto Mieter der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) sind, wird in dem Bericht als "deutliche Beschränkung der institutionellen Autonomie" gesehen.
Der über zwei Jahre bearbeitete Bericht, an dem auch die europäischen Rektorenkonferenzen mitgewirkt haben, hat laut Studienautor Thomas Estermann den Zweck, "die von Akteuren in Hochschule und Hochschulpolitik geführte Debatte über die Autonomie zu vertiefen und letztlich dazu bezutragen, nationale Hochschulsysteme zu verbessern". Demnach brauchen europäische Unis "im hart umkämpften globalen Markt (...) flexible Strukturen und angemessene gesetzliche Rahmenbedingungen, die sie nicht einschränken sondern unterstützen". Vor allem ausreichende Finanzierung sei wichtig - ohne diese würden "auch autonome Universitäten ins Hintertreffen geraten".
(APA/red)
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