15. November 2011 - 17:02 | Thea

Die erstmals verpflichtende Uni-Voranmeldung war für die Studenten
"der Flop des Jahres", die geplante verpflichtende Studienberatung wurde
von den Rektoren in ihrer Sinnhaftigkeit angezweifelt. Nun werden beide
Projekte nach wochenlangen Verhandlungen mit der Österreichischen
HochschülerInnenschaft (ÖH) und der Universitätenkonferenz (uniko) in
der vom Wissenschaftsministerium angedachten Form verworfen. Der
Kompromiss: Eine vorverlegte Inskriptionsfrist und ein Ausbau der
bestehenden Studienberatung. "Aus Fehlern soll man lernen, das haben wir
getan", sagte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) bei der
gemeinsamen Präsentation am 15. November.
"Die Uni-Voranmeldung hat ihr wichtigstes Ziel,
erhöhte Planbarkeit zu schaffen, nicht erreicht", so Töchterle, "weil
sich Studenten an beliebig vielen Universitäten anmelden konnten." Als
"prognosestärkere Regelung" wurde nun die Zusammenlegung von
Voranmeldung und Inskriptionsfrist auf ein Datum beschlossen: Bis
spätestens 5. September müssen sich Studierwillige für das
Wintersemester inskribieren, bis 5. Februar für das Sommersemester. Das
Ende der Zulassungsfrist war bisher an jeder Uni unterschiedlich
geregelt und lag im Wintersemester zwischen Ende September und Ende
Oktober. Künftig soll das Ende österreichweit einheitlich festgesetzt
sein.
"Wir rechnen damit, dass wir bis zu diesem Zeitpunkt
90 Prozent der Studierwilligen erfassen können", so Margret Friedrich,
Vizerektorin an der Uni Innsbruck und Vorsitzende des "Forums Lehre" der
uniko. Damit sei auch eine verstärkte Planungssicherheit gewährleistet.
In klar definierten Ausnahmefällen soll die Nachfrist bis 30. November
weiterhin gelten - etwa für Studienanfänger, die Zivildienst oder ein
freiwilliges soziales Jahr im Ausland leisten. "Damit wollen wir
sicherstellen, dass es keinen Studierwilligen gibt, der wegen der
vorverlegten Frist nicht studieren kann", so ÖH-Vorsitzende Janine Wulz
(Grüne und Alternative StudentInnen, GRAS).
Studienberatung wird doch nicht verpflichtend
Wulz begrüßte vor allem den gemeinsam gestalteten
Ausbau der Studienberatung - "einer der Kernpunkte der ÖH seit vielen
Jahren". Das Ministerium hatte eine verpflichtete Studienberatung für
alle Uni-Anfänger ab 2012 geplant. Nachdem die Reaktionen von
Hochschulpartnern auf die in Begutachtung geschickte Verordnung jedoch
ob des bürokratischen Mehraufwands "sehr kritisch" waren, so Töchterle,
habe man sich auf einen Ausbau in jenen Bereichen geeinigt, "wo sie
bereits kompetent durchgeführt wird".
Geplant ist etwa die Ausweitung des
"Studienchecker"-Programms in den oberen Klassen der AHS und
berufsbildenden höheren Schulen (BHS), der ÖH-Maturantenberatung sowie
der begleiteten Vorlesungsbesuche im Rahmen von "Studieren probieren".
Auch eine Kooperation mit dem Bundesheer, das Grundwehrdienern die
Studienberatung während des Präsenzdienstes ermöglichen will, und ein
Relaunch der Info-Webseite "http://www.studienwahl.at" sind geplant. Das
Ministerium will für den Vollausbau insgesamt rund 1,25 Mio. Euro zur
Verfügung stellen.
Um die nun getroffene Einigung zwischen Ministerium,
ÖH und uniko auch gesetzlich umzusetzen, fehle noch die Abstimmung mit
dem Koalitionspartner, betonte Töchterle. Der Ausbau der Studienberatung
ist bereits im Gange, die Neuregelung der Inskription ist für das
Wintersemester 2012 angedacht. Eine Lösung für das kommende
Sommersemester betreffend der von ÖH und uniko abgelehnten Voranmeldung
soll in Gesprächen mit der SPÖ gefunden werden, heißt es aus dem
Ministerium.
(APA / red, Bild APA)
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