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Fachtagung zur Deutsch-Zentralmatura zeigt Schwachstellen

Die teilzentrale, standardisierte Reifeprüfung soll die Prüfungsleistungen beim schriftlichen Teil der Matura besser als bisher vergleichbar machen. Beim Fach Deutsch - neben Mathematik und Fremdsprachen ab 2014 an AHS und ab 2015 an berufsbildenden höheren Schulen (BHS) geplant - dürfte das allerdings nicht so einfach sein. Bei einer Fachtagung zur Deutsch-Zentralmatura, die vom Unterrichtsministerium, dem für die Erarbeitung zuständigen Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) und der IG Autoren organisiert wurde, zeigten die Referenten in ihren der APA vorliegenden Vorträgen diverse Schwachstellen auf.

Ziel der Zentralmatura ist es, dass die Schüler "mit nahezu jedem literarischen und nicht-literarischen Text analytisch und interpretatorisch umgehen können" , wie Juliane Köster, Deutschdidaktikerin der Uni Jena es formuliert. Anstelle eines Kanons an Werken sollen die Schüler nunmehr einen Kanon an "literarischen Umgangsformen" beherrschen. Eine "innovative Idee", wie Köster meint. Das Beherrschen der bei der Zentralmatura gefragten Kompetenzen (Erkennen verschiedener Genres etc.) setze aber nicht nur differenziertes Wissen, sondern auch "sehr viel Übung" voraus. Bei einer Zentralmatura könne deshalb nicht alles vorausgesetzt werden, es brauche eine klare Einschränkung - egal ob in Form von Literaturepochen, bestimmten Werken oder "Instrumenten" der Textanalyse.

Sorge um Literaturvermittlung

AHS-Direktor, Lehrbuchautor und Essayist Christian Schacherreiter sorgt sich indes darum, dass die Literaturvermittlung an den Schulen leiden könnte. Er warnt davor, dass Literatur bei der Zentralmatura nur noch Mittel zum Zweck sei. "Gibt es nur mehr Aufgaben, in denen Literatur in ein pragmatisches Setting eingebunden wird, dann nimmt man der Literatur ihren Eigenwert", sagt Schacherreiter. Dies sei umso bedenklicher, als die Art der Aufgabenstellung bei der Matura "selbstverständlich Rückwirkungen auf Inhalte und Methoden des Literaturunterrichts" habe.

Würden Textauswahl und Aufgabensetting von Schulbüchern ausschließlich am Kompetenzkanon für die Zentralmatura ausgerichtet, "würde dies zu einer bedenklichen Verarmung des Lektüreangebots führen, die der Vielfalt von Literatur in keiner Weise mehr gerecht wird". Schacherreiters Forderung daher: Zumindest eine Aufgabestellung bei der Zentralmatura muss die Interpretation literarischer Texte in einem freien Schreibprozess, allerdings basierend auf methodischen Zugängen, umfassen.

Auch Ludwig Laher von der IG Autoren sieht den differenzierten Literaturunterricht in Gefahr, wenn Literatur bei der Reifeprüfung gar nicht mehr oder bloß als Impuls vorkomme. Mittlerweile sei der IG jedoch zugesichert worden, dass "von Zeit zu Zeit" literarische Themen angeboten würden, die kreatives Schreiben beinhalten. Beispiele dazu kenne er allerdings nicht, kritisiert Laher. Denn: "Auch in diesem Bereich kann vieles schiefgehen."

Keine völlige Objektivität

Allerdings ortet er noch weitere Gefahren. So führe die Tatsache, dass AHS und BHS trotz unterschiedlichen Fächerkanons die gleichen Themen zur Matura bekommen, zu einer "völlig unnötigen Verengung". Und auch trotz Bewertungsraster seien "unzulässige Subjektivitätsexzesse" bei der Matura weiter möglich, hier könne nur ein Zweitbegutachter, im Idealfall von einer anderen Schule, Abhilfe schaffen. Dass es eine Reform der Matura braucht, ist für die IG Autoren unbestritten. "Wogegen wir uns aber wehren, ist eine Legendenbildung, die Zentralmatura bedeute automatisch Gerechtigkeit und Transparenz."

(APA/red, Bild APA)

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