7. November 2011 - 16:21 | Thea

Das steirische Universalmuseum Joanneum feiert mit der Eröffnung des
umgebauten Museumsviertels am 26. November seinen 200. Geburtstag. Die
Überlegungen zu einer Sanierung und Umgestaltung gab es seit 1997, doch
erst im Jänner 2010 erfolgte der Spatenstich. Dazwischen lagen
Gutachten, Ausschreibungen, Regierungsbeschlüsse, Entwürfe und geänderte
Entwürfe. Nun soll am 26. November zumindest ein Großteil des neuen
Museumsviertels inklusive Landesbibliothek eröffnet werden, ein Jahr
später folgt dann der Rest.
Der älteste Teil des Museumskomplexes ist
das Haus in der Raubergasse, das von 1665 bis 1674 nach den Plänen von
Domenico Sciassia als Stadthaus für Stift Lambrecht entstanden ist. 1811
wurde es schließlich von den steirischen Landständen für die von
Erzherzog Johann gestifteten Sammlungen angekauft. Wesentlich jünger ist
der Bau in der Neutorgasse, der erst 1890 bis 1894 als
"Kulturhistorisches und Kunstgewerbe-Museum" entstanden ist und der
trotz mehrerer anderer Pläne der einzige Museumsneubau im 19.
Jahrhundert in Graz blieb.
Neukonzeption begann Ende der 90er-Jahre
1997 wurde begonnen, eine Neukonzeption des
ständig gewachsenen Museums anzustellen, die alle Standorte umfassen
sollte. Inhaltliche Grundlagen sowie eine erste Kostenbasis fanden sich
2005/2006 im "Masterplan". 2006 wurde auch ein Regierungsbeschluss zum
Gesamtprojekt gefasst.
Es folgte ein Vergabeverfahren, bei dem das
Madrider Büro "Nieto und Sobejano" als Sieger hervorging. Ein erster
Entwurf sah 48,5 Mio. Euro an Kosten vor, dann einigte man sich
allerdings Ende 2007 auf ein etwas reduziertes Projekt um 38,1 Mio.
Euro. Nach diversen Gutachten und Bescheiden konnte schließlich am
13.1.2010 der Spatenstich erfolgen. Im Dezember des selben Jahres bat
man anlässlich der Fertigstellung des Rohbaus zur Gleichenfeier, und
Ende November soll nun die Eröffnung des Joanneumsviertels über die
Bühne gehen.
Gemeinsamer Zugang
Neben diversen Sanierungen und Umbauten im
Inneren wird vor allem der neue Eingangsbereich im Hof ins Auge fallen.
Der Zugang zu den Sammlungen und zur Landesbibliothek mit ihren neuen
unterirdischen Speichern erfolgt über einen gemeinsamen Eingang, erst im
unterirdischen Bereich teilen sich die Wege der Besucher des Museums
und der Bibliothek. Im Stammhaus wird auch die Neue Galerie
untergebracht sein, ebenso die naturwissenschaftliche Sammlung.
Während die aus dem Palais Herberstein
umgesiedelte Neue Galerie, die Multimedia-Sammlungen und das
Besucherzentrum schon rechtzeitig zum Jubiläum fertig sein werden, wird
das Naturkundemuseum erst ein Jahr später wiedereröffnet werden.
Ebenfalls bereits Ende November 2011 wird die Landesbibliothek mit ihren
rund 750.000 Büchern wieder in vollem Umfang zur Verfügung stehen.
Eröffnung mit vier Ausstellungen
Das Jubiläum wird nicht nur mit der Eröffnung
des umgebauten Museumsviertels begangen, sondern auch mit vier
Ausstellungen. Die Neue Galerie zeigt eine Hans Hollein-Werkschau,
außerdem die Ausstellung "Moderne: Selbtmord der Kunst?", darüber hinaus
wird das "Bruseum" vorgestellt. Die Multimediale Sammlung steuert die
Schau "Land der Bilder" bei.
Am 200. Stiftungstag des Joanneums haben die
Besucher die Möglichkeit, im Rahmen der Eröffnung die Ausstellungen zu
besuchen. Dabei präsentiert sich vor allem die Neue Galerie in noch
ungewohnter Umgebung, war doch hier bis vor dem Umbau die
Kulturhistorische Sammlung beheimatet. Gezeigt wird eine Werkschau über
den Grazer Künstler, Designer und Architekten Hans Hollein. Gleichzeitig
startet die Ausstellung "Moderne -Selbstmord der Kunst?", in der Werke
von 1800 bis zur Gegenwart gezeigt werden.
Als Teil der neuen Galerie versteht sich auch
das "Bruseum" mit Werken von Günter Brus, das nun eröffnet wird. Die
Ausstellung zeigt einen Auswahl aus verschiedenen Schaffensbereichen und
-phasen des Künstlers und seine Entwicklung vom Wiener Aktionisten zum
Maler, Zeichner, Bild-Dichter und Schriftsteller. In der Multimedialen
Sammlung wird die Geschichte der Steiermark unter dem Titel "Land der
Bilder" präsentiert.
Der neugestaltete Hof des Joanneumsviertels
wird an diesem Abend zum Open-Air-Festsaal: Dort gibt es eine filmische
Bilderreise durch die zehn Standorte des Universalmuseums sowie einen
Adventmarkt mit Musik, Getränken und kulinarischen Genüssen.
Die Zeitkarten, die jeweils eine Stunde gültig
sind, sind kostenlos ab 5. November an der Kassa des Museums im Palais
(Sackstraße 16) erhältlich. Am 26.11. gibt es ab 16.00 Uhr die
Möglichkeit zu einstündigen Rundgängen ab dem Eingangsbereich
Kalchberggasse. Zur Feier des Jubiläums gibt es dann am 27.11. an allen
Standorten des Joanneums freien Eintritt.
(APA/red, Bild APA)
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