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Eine Analyse des Bildungssystems in Oberösterreich zeigt enormen Verbesserungsbedarf

Das oberösterreichische Bildungssystem verteilt die Chancen nicht fair, verfestigt soziale Ungleichheiten und erzielt unzureichende Ergebnisse. Deshalb schneiden wir bei internationalen Tests schlecht ab, deshalb erreichen viel zu viele junge Menschen keinen Berufsabschluss.

"Die AK fordert verstärkte Investitionen in frühe Förderung, eine gemeinsame Schule bis 15 und Reformen, die zu mehr Fachkräften, Maturanten und Studierenden führen", sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Bildung wird in Oberösterreich "vererbt": Bildungsentscheidungen sind abhängig vom Familieneinkommen, vom Bildungsstand der Eltern und vom Geschlecht der Kinder. Sie sollten aber nach Interessen, Fähigkeiten und Begabungen erfolgen.

Im Bundesländervergleich ist Oberösterreich bei wichtigen Bildungskennzahlen abgeschlagen, manche Rück- und Zustände erscheinen durchaus dramatisch. Bei den "Fachkräften" rangiert Oberösterreich auf dem mittelmäßigen vierten Platz, bei den "höher Qualifizierten" (Matura plus Uni, FH etc.) gar nur auf dem vorletzten Platz in der Rangliste der Bundesländer. Nur im Negativranking, bei den "wenig Qualifizierten", sind wir unter den "Top 3".

Im Jahr 2008 hatten von den 25- bis 29-Jährigen in Oberösterreich rund 14 Prozent noch keinen Berufsabschluss, in Linz, Wels und Steyr sogar gut ein Fünftel. Der AK-Vorschlag einer Jugend-Ausbildungsgesellschaft, die alle einschlägigen Maßnahmen für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz bündelt und ein neues Lehrausbildungsmodell umsetzt, wird vom Land Oberösterreich seit Jahren ignoriert.

Bei ganztägigen Schulformen bildet Oberösterreich mit einer Quote von 5 Prozent zusammen mit Tirol im Bundesländervergleich das weit abgeschlagene Schlusslicht.

Für die erschütternden Bildungsergebnisse in Oberösterreich sind viele Faktoren verantwortlich: die Struktur des Bildungssystems, die geringe individuelle Förderung der Schüler/-innen (besonders von Migranten/-innen) in der Halbtagsschule, die frühe Selektion mit neuneinhalb Jahren, das Fehlen von Ausbildungsplätzen sowie hohe Drop-Out-Raten aus den Berufsbildenden Schulen und der Lehre.

Es ist bemerkenswert wenn Landehauptmann Pühringer jetzt, zu Beginn der Eintragungsfrist für das Bildungsvolksbegehren, von "unüberhörbaren Klagen von Unternehmern über den Bildungsstand von Schulabgängern" spricht. Denn als langjähriger Bildungsreferent und Präsident des Landesschulrats hat er diese selbst die längste Zeit überhört: Die oberösterreichischen Sozialpartner haben ihn wiederholt auf diese Situation aufmerksam gemacht.

Die AK fordert seit Jahren Verbesserungen und wesentliche Änderungen in der Bildungspolitik in Oberösterreich:

- Frühe Förderung und ausreichend Zeit für den Bildungsprozess, um soziale Benachteiligung auszugleichen.

- Eine gute, alle fördernde Ganztagsschule und eine gemeinsame Schule bis zum Alter von 15 Jahren.

- Mehr Fachkräfte, mehr Maturanten/-innen und mehr Studierende, damit Oberösterreich Bildungsland Nummer 1 wird. Deshalb müssen in Oberösterreich der schulische Unterbau und das Angebot in der Lehre, in der Oberstufe und im Hochschulbereich besser werden.

- Weniger geschlechtertypische Ausbildungswege und Schulformen sowie eine bessere und freiere Berufs- und Bildungswahl.

Die AK begrüßt das Bildungsvolksbegehren, weil es zu mehr Reformtempo mahnt und auf den drohenden Verlust hinweist, der entsteht, wenn Österreich nicht rechtzeitig alle Chancen im Bildungsbereich nutzt. Die zwölf Forderungen des Volksbegehrens weisen in die richtige Richtung.

(Quelle: OTS / Arbeiterkammer Oberösterreich)

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