2. November 2011 - 16:25 | Thea
Einen Schritt in Richtung Personalisierung von Werbung und
Informationen im öffentlichen Bereich machten Forscher vom Institut für
Pervasive Computing an der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) mit
dem Projekt "SmartLight Displays". Die Screen-Prototypen reagieren
automatisch auf Umgebungsfaktoren und Menschen, die sich in deren Umfeld
aufhalten. Die Forscher versprechen sich davon vor allem neue
Möglichkeiten zur gezielteren Darbietung von Werbeinhalten.
Bei den Bildschirmen der Wissenschafter um
Institutsleiter Alois Ferscha, handle es sich um eine Art "Public
Screen", der "in der Öffentlichkeit positioniert wird und dort Menschen
informiert", wie der Forscher im Gespräch mit der APA betont. Ferscha
und sein Team arbeiten seit drei Jahren an diesem von der
Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützten Projekt. Er rechnet
damit, "dass sich hier in naher Zukunft große Märkte auftun werden".
Insgesamt gebe es bereits einen Trend in Richtung
Darstellung von Inhalten auf derartigen Projektionsflächen, die
herkömmlichen Lösungen seien aber "völlig blind in ihrer Rücksichtname
auf die Situation". Das Projekt gehe weit über den Gedanken hinaus, nur
das klassische Plakat zu digitalisieren, um es schnell auswechseln zu
können, wie Ferscha betont.
Erste Anhaltspunkte für eine schärfere Abstimmung
der Inhalte liefere der Ort und die Zeit. "Wir sind hier aber sehr viel
weiter gegangen", so Ferscha, der darauf hinweist, dass physikalische
Umweltbedingungen, wie die Temperatur, die Lichtdichte, die
Feuchtigkeit, die Windstärke und die Umgebungsgeräusche miteinbezogen
werden. So könne das System beispielsweise die Darbietungshäufigkeit von
Erfrischungsgetränken bei hohen Außentemperaturen automatisch erhöhen.
In weiterer Folge haben die Forscher aber auch "mit
der Beobachtung des Menschen begonnen". So entdeckt ein Sensor die
Präsenz von Personen und ihre Entfernung vom Display und passt die Größe
an. Und selbst ihre Interessen können von den Werbedisplays "gelesen"
werden: Trägt man ein sogenanntes "Token" mit sich, beginnen die
Displays eine drahtlose Kommunikation und modifizieren aufgrund von
dessen Daten die Inhalte.
Was man auf so einen Token speichert, liege
allerdings allein in der Verantwortung der Nutzer, so Ferscha. "Wichtig
ist, dass es sich um einen total anonymisierten Zugang handelt."
Ähnliche Modelle die auf der Kommunikation mit dem Handy beruhen, würden
im Gegensatz dazu "immer die Verbindung zu ihrem Namen herstellen
können". Darin sehen die Forscher "eine enorme Gefahr".
Den letzten und schwierigsten Aspekt der Analyse
stellt für die Wissenschafter die Aufmerksamkeitsanalyse dar. "Wir haben
mathematische Methoden der Mustererkennung eingesetzt, um anhand der
Körperhaltung die Aufmerksamkeit zu klassifizieren", so Ferscha. Die
Werbewirtschaft sehne sich danach, "ein Abrechnungsmodell für
Außenwerbung zu haben", das ähnlich wie Internet-Banner Aufschluss
darüber gibt, wie viele Personen erreicht wurden.
Die Wissenschafter haben kürzlich eine EU-Förderung
erhalten, um ihre Arbeit in Richtung Vernetzung und Koordination solcher
Displays fortzuführen. Ebenso arbeite man mit Unterstützung aus der
Wirtschaft an einer Umsetzung des Konzepts die zehn "SmartLight
Displays" umfassen soll. Ein solches Display soll laut Ferscha etwas
weniger als 10.000 Euro kosten.
(APA/red, Bild APA/ Inst.f. Pervasive Computing, JKU Linz)
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