2. November 2011 - 16:09 | Thea

Früher mussten Bewerber bei den Arbeitgebern punkten - jetzt hat sich das Blatt gewendet
500 Initiativbewerbungen hat die Bachelor-Absolventin Leyla Aktürk, auf der Suche nach einem Praktikumsplatz, im August 2011 an österreichische Arbeitgeber verschickt. Geantwortet haben ihr lediglich 40%. Doch Antwort ist nicht gleich Antwort. Teilweise zweifelte Leyla daran, ob ihre Bewerbung überhaupt gelesen wurde. So bekam sie unter anderem Antworten wie: "...aus Sicherheitsgründen können wir Ihnen leider keine freie Stelle anbieten" oder "...bei Servicefragen wenden Sie sich bitte an...". Viele Arbeitgeber antworteten auch mit dem Satz: "&vielen Dank für Ihre Bewerbung auf unsere ausgeschriebene Position&". Dabei hatte sich Leyla doch auf gar keine konkrete Stelle beworben.
Auch bei persönlichen Gesprächen hatte Leyla mit einigen kuriosen Aussagen zu kämpfen. Ein Personaler eröffnete das Gespräch mit: "Die Fragen stelle ich, Sie haben hier nur zu antworten!". Ein anderer wiederum wollte von ihr wissen: "Können Sie überhaupt lesen oder schreiben?". Weitere Fragen, die Leyla an der Ernsthaftigkeit der Bewerbungsgespräche zweifeln ließ: "Sind Sie auch froh, dass es schon Freitag ist?", "Mögen Sie Regen?", "Was tun Sie, wenn es regnet?" sowie: "Würden Sie mit uns die 48-Stunden-Woche einführen?", sorgten bei der Bewerberin für Kopfschütteln. Auch der Beruf der Eltern oder das Ergebnis eines Allergietests wurden thematisiert.
Würde Leyla wirklich einen Praktikumsplatz suchen, wäre sie sicherlich sehr frustriert zu sehen, wie wenig sich Unternehmen und Institutionen um sie bemühen beziehungsweise wie respektlos diese teilweise mit ihr umgehen. Doch in Zeiten des Fachkräftemangels weiß Leyla, dass nicht nur sie sich als ein High Potential perfekt vor potentiellen Arbeitgebern präsentieren muss, sondern dass mittlerweile Arbeitgeber gefordert sind, die richtigen Kandidaten als Mitarbeiter zu gewinnen. Denn wer jetzt noch davon ausgeht, dass sich die gefragtesten Mitarbeiter von Morgen automatisch beim Unternehmen bewerben, der hat manches im Recruiting-Bereich versäumt.
CAREERS BEST RECRUITERS deckt erneut auf
Leyla Aktürk sucht eigentlich keinen Arbeitsplatz. Eigentlich ist Leyla nicht einmal eine reale Person. Hinter ihr stecken Mystery Jobber, die im Rahmen der Studie "CAREERS BEST RECRUITERS" insgesamt 1.000 österreichische und deutsche Unternehmen getestet haben.
Die Studie CAREER´S BEST RECRUITERS hat sich seit 2010 in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftsministerium zur Aufgabe gemacht, den Blickwinkel der Bewerber einzunehmen. Dazu wurden 67 Employer-Branding-Kriterien je Arbeitgeber im On- und Offlinebereich analysiert.
Mithilfe einiger ausgedachter Identitäten, wie die von Leyla Aktürk, wurden die Aktivitäten der Arbeitgeber zur Bewerberansprache und der Umgang mit Initiativbewerbungen untersucht. Als wissenschaftliche Begleitung agieren Univ. Prof. Dr. Wolfgang Elaik, Institutsvorstand des Department of Human Resource Management an der Wirtschaftsuniversität Wien und Dr. Armin Trost, Professor an der HFU Business School der Hochschule Furtwangen.
Durch Recruiting-Maßnahmen zu qualifizierten Bewerbern
Employer-Branding- und Recruiting-Maßnahmen sind zwar in einigen wenigen österreichischen Unternehmen und Institutionen Standard, doch ob und wie diese von den Bewerbern wahrgenommen werden, war bis dato unbekannt. CAREER´S BEST RECRUITERS hat diese Lücke nun gefüllt. Im Fall der ausgesendeten Initiativbewerbungen kam zum Vorschein, dass in Deutschland nur etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen und Institutionen überhaupt antworteten. In Österreich sogar weniger als die Hälfte.
Besonders ärgerlich ist es, wenn Unternehmen zwar antworten, aber einem nicht einmal die Achtung entgegenbringen bei einer Absage einen Grund zu nennen. Unglaublich aber wahr: nur 17% der österreichischen Arbeitgeber sind so respektvoll, ihren Bewerbern mitzuteilen, warum sie ihnen eine Absage erteilen mussten. Da ist es doch klar, dass sich qualifizierte Bewerber bei jenen Arbeitgebern bewerben, die sich besonders um ihre zukünftigen Mitarbeiter bemühen.
Essentiell: Kommunikation auf Augenhöhe
Präsenz ist nicht nur in Stellenanzeigen sondern auf allen Kommunikationskanälen gefragt, wie: Homepage, Social Web, Karriere-Messen, Tag der offenen Tür, Kooperationen mit Universitäten und Fachhochschulen, im Bewerbungsprozess und vielen mehr. Arbeitgeber sind dazu aufgerufen, unterschiedlichste Fragen über Jobs, Arbeitsbedingungen, Karrieremöglichkeiten, Benefits, Work-Life-Balance und viele andere Themen dort zu beantworten, wo Bewerber sie suchen. Sie erwarten im Rahmen des Recruiting-Prozesses eine Behandlung auf der viel zitierten Augenhöhe. Hier sind Geschwindigkeit, Transparenz und persönliche Wertschätzung gefragt. Denn heutzutage gibt es auch für die Arbeitgeber, keine zweite Chance für einen ersten Eindruck.
Unternehmen die in Zukunft beim Ringen um qualifizierte, talentierte und motivierte Bewerber die Nase vorne haben möchten, kommen dauerhaft nicht umhin bei der Beurteilung der eigenen Recruiting-Aktivitäten die Perspektive der Bewerber einzunehmen.
(Quelle: CAREERS BEST RECRUITERS)
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