21. September 2011 - 11:34 | Thea
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) hat am Mittwoch im
Rahmen der "Aktuellen Stunde" zum von der ÖVP vorgegebenen Thema
"Qualität und Leistung für die österreichischen Universitäten und
Hochschulen" im Nationalrat für sein Hochschul-Modell inklusive
Studiengebühren und Zugangsregelungen geworben. Die SPÖ sprach sich
abermals gegen neue "finanzielle Hürden" aus.
Die österreichischen Universitäten hätten
Qualität und würden Leistung bringen, hielt Töchterle fest. Leider
würden in der Öffentlichkeit oft nur die Probleme der Unis und
Fachhochschulen zur Sprache kommen, konkret bezüglich Finanzierung und
überlaufener Studien. Er könne Lösungen anbieten, betonte der Minister,
es brauche einen Hochschulplan. Man müsse die Fachhochschulen qualitativ
und quantitativ und die Unis qualitativ ausbauen. Der Hochschulplan
könne nicht von oben verordnet werden, deshalb sehe er die Einrichtung
einer Hochschulkonferenz vor. Man sei dabei, den Plan jetzt aufzusetzen.
Studium "verbindlicher" machen
Wenn man mehr Akademiker wolle, müsse man versuchen,
die inaktiven Studenten zu "aktivieren", indem man die Verbindlichkeit
erhöhe. Im Zusammenhang mit den Massenfächern erklärte Töchterle, man
müsse Kapazitätsgrenzen einziehen. Es brauche Zugangsregelungen, der
Hochschulplan sehe das im Rahmen der Studienplatzfinanzierung vor. Auch
das Problem der Finanzierung sei lösbar: Es sei "sehr chancenreich",
dass man für 2013 bis 2015 eine zusätzliche Milliarde zur Verfügung
stellen könne, die aber nicht mit der "Gießkanne", sondern so vergeben
werden solle, dass es eine steuernde Wirkung gebe. Es brauche zudem
private Mittel, warb Töchterle für Studienbeiträge. Niemanden dürfe das
Schicksal treffen, aus finanziellen Gründen nicht studieren zu können,
betonte Töchterle, und sein Modell bedenke diese Probleme.
VP-Wissenschaftssprecherin Katharina
Cortolezis-Schlager unterstützte die Linie ihrer Partei, indem sie
meinte, im Kino und im Fußballstadion sei es selbstverständlich, dass es
nur so viele Karten gebe wie Sitzplätze. Man brauche auch ein sozial
gerechtes Studienbeitragsmodell, das einen "kleinen Beitrag" von allen
abverlange, etwa damit der österreichische Steuerzahler nicht den
Beitrag für ein Studium der Kinder eines Ölscheichs leisten müsse.
Es sei positiv, dass sich Töchterle bemühe, Geld für
die Unis bei der Finanzministerin aufzustellen und dass er ein
Bekenntnis abgelegt habe, dass die Vielfalt des Studienangebots erhalten
bleiben soll, meinte SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl. Es gehe
der SPÖ aber darum, keine neuen "finanziellen Hürden" zu höherer
Bildung einzuführen. Mehr gut ausgebildete junge Menschen seien
notwendig, und es sei nicht anstrebenswert, eine neue "Bildungssteuer"
einzuführen, die vor allem mittelständische Familien treffen würde.
Gerechter wären vermögensbezogene Steuern, findet Kuntzl.
FPÖ gegen "Neiddebatte"
Der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald hielt
fest, dass Universitäten und Fachhochschulen viele schwere Probleme
hätten, aber die Studierenden nicht das wesentliche Problem seien.
Gerhard Deimek von den Freiheitlichen beklagte, dass nur über
Studiengebühren diskutiert werde und nicht etwa über Rektorengehälter
oder Verwaltungskosten an den Unis - er sei gegen eine "Neiddebatte am
Rücken der Studenten".
Rainer Widmann (B) bezeichnete es als "Skandal", wie
junge Menschen in Österreich studieren müssten und sprach sich für
Studiengebühren und Zugangsregelungen aus. Er kritisierte dabei
Alexander Van der Bellen von den Grünen - dieser bekomme als
Uni-Beauftragter der Stadt Wien 220.000 Euro, und Widmann fragte, was
die Leistung dabei sei und ob dies Parteienfinanzierung oder Korruption
sei. Van der Bellen konterte, er sei rechenschaftspflichtig gegenüber
dem Bürgermeister und dem Gemeinderat der Stadt Wien, aber nicht
"Wichten" wie Widmann.
Vor der Debatte wurde die zurückgetretene Wiener
ÖVP-Chefin Christine Marek im Nationalrat angelobt. Sie übernimmt das
Mandat von Maria Rauch-Kallat.
(APA / red, Bild APA)
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