8. September 2011 - 11:26 | Thea
Mit der Telekom-Affäre dominiert erneut ein
Korruptionsskandal die österreichischen Schlagzeilen. Die Liste von Beispielen
für die Redensart Geld verdirbt den Charakter unter Politikern,
Lobbyisten und Managern wird scheinbar täglich länger. Doch macht der Umgang
mit Geld Menschen tatsächlich egoistischer und raffgieriger?
Psychologen der Webster University in Wien
haben gefunden, dass schon die bloße Wahrnehmung von Geld ausreicht, um
Personen habgieriger zu machen. In ihrer Studie zeigten die Wissenschaftler 332
Passanten verschiedene fiktive Werbeplakate einer Universität. Völlig getrennt
davon wurden die Studienteilnehmer wenig später zu ihren sozialen Werten
befragt und ihre allgemeine Spendenbereitschaft für karitative Zwecke erhoben.
Die Themen der Werbeplakate hatten einen
entscheidenden Einfluß auf die folgenden Einstellungen der Teilnehmer.
Personen, die Plakate mir Geldthemen gesehen hatten, hatten danach weit
egoistischere Werte und zeigten eine geringere Spendenbereitschaft als
Personen, die Plakate mit sozialen Themen gesehen hatten. Ein noch
überraschenderer Effekt ergab sich, wenn die Teilnehmer auf den fiktiven
Werbeplakaten gleichzeitig ein Geldthema und ein soziales Thema gesehen hatten.
Diese Teilnehmer zeigten danach die höchste Spendenbereitschaft und die meiste
soziale Verantwortung.
Die Wirtschaftspsychologin und
Studienautorin Julia Pitters erklärt dies mit unbewussten neuronalen
Bahnungseffekten im Gehirn: „Durch das Betrachten von Geld werden Gehirnzellen
aktiviert, die für das Geldkonzept stehen, während soziale Bilder soziale
Areale anregen. Durch Betrachten beider Konzepte hingegen wird die Denkweise zu
reflektieren in Gang gesetzt. Diese Aktivierungen wirken sich dann unbewusst
auf die Einstellungen der Betroffenen aus, selbst wenn es um völlig andere
Fragestellungen geht.“
Die schlechte Nachricht ist also: Geld
macht Menschen tatsächlich egoistischer und dazu reicht schon das bloße
Wahrnehmen von Geld.
Doch die Ergebnisse der Psychologen zeigen:
es gibt auch Hoffnung für moderne Donald Ducks in Politik und Wirtschaft. Wird
Geld mit sozialen Bildern gekoppelt, dann kann das Menschen sozial
verantwortlicher und altruistischer in Geldfragen machen.
Die Ergebnisse der Studie „Moneyvellianism?
The Impact of Money and Social Priming on Machiavellianism, Social
responsibility, and Charity“ (Julia Pitters & Thomas Oberlechner, 2011)
wurden im Juni erstmals am internationalen Kongress für Wirtschaftspsychologie
in Exeter (England) einem Fachpublikum von Ökonomen und Psychologen
präsentiert.
(Quelle: Webster University)
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