23. August 2011 - 15:23 | DerOnlineTutor
Ab Herbst soll in Österreich ein neues Gremium für eine bessere Abstimmung der Angebote von Universitäten und Fachhochschulen (FH) sorgen. Diese "Hochschulkonferenz", vorerst bestehend aus Vertretern der Universitätenkonferenz (uniko), der Fachhochschulkonferenz (FHK) und des Wissenschaftsministeriums, soll das Angebot von Forschung und Lehre in Österreich koordinieren, vernetzen und damit deutlich effizienter machen. Ein erstes Treffen habe bereits stattgefunden, sagte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) am Dienstag bei der Vorstellung eines Expertenberichts zum Hochschulplan.

"Wir müssen uns in Europa warm anziehen", betonte Andrea Schenker-Wicki (Universität Zürich), die die Empfehlungen gemeinsam mit Antonio Loprieno (Rektor der Uni Basel) und Eberhard Menzel (Präsident der Fachhochschule Westliches Ruhrgebiet) erarbeitet hat. Nur wenn in Europa in Bildung investiert werde, werde es nicht von Asien abgehängt. Das Rad habe man in dem Bericht allerdings nicht neu erfunden, dämpfte Schenker-Wicki die Erwartungen. In diesem "steht nichts, was in Österreich nicht zumindest schon angedacht wurde".
Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren sollen Dropout senken
Um die beschränkten Mittel für Wissenschaft und Forschung effizient zu verteilen, schlägt das Trio die Einrichtung zweier neuer Gremien vor, die neben den Hochschulen auch die Forschung in Österreich koordinieren könnten: Neben der Hochschulkonferenz solle auch eine "Hochschulkommission" eingerichtet werden, in der vor allem die zuständigen Ministerien und die Länder vertreten sind und die die strategische Ausrichtung vorgeben soll. Töchterle zeigte sich allerdings skeptisch, ob ein solches Gremium tatsächlich eingerichtet wird.
Die Idee, den Anteil der Studenten an Fachhochschulen (2009 lag er bei 11 Prozent) deutlich zu steigern, will Töchterle indes durch einen Ausbau der Plätze umsetzen - wobei er sich nicht auf eine Zahl festlegen wollte. Die von den Experten angedachten 40 Prozent seien jedoch vermutlich zu hoch gegriffen.
Zustimmung ernteten die Experten von ihm hingegen mit ihrer Aufforderung, Zugangsbeschränkungen - bei Bachelor nur bei mehr Interessenten als Plätzen, bei Master und PhD immer - und Studiengebühren von 500 Euro pro Semester einzuführen. Damit könnte - neben dem Budgetmangel - noch ein weiteres Problem gelöst werden, das die Experten an Österreichs Unis ausgemacht haben: Derzeit verbringen 30 Prozent der Studenten nur einen Tag pro Woche an der Uni "und belasten natürlich das System", wie Menzel meinte. Aus Töchterles Sicht würden Zugangsregelungen und Studienbeiträge jedoch für mehr Verbindlichkeit sorgen und könnten damit auch die Dropout-Rate senken.
Gesamte Strategie soll bis Ende 2011 stehen
Zugangsbeschränkungen sind laut den Experten außerdem Voraussetzung einer Studienplatzfinanzierung, bei der die Kosten abhängig von Betreuungsverhältnis und Fachrichtung finanziert werden. Ein Teil dieser Studienplatzfinanzierung müssten auch Mittel für die Forschung sein, betonte Schencker-Wicki, die auch mehr Geld für den für Grundlagenforschung zuständigen Forschungsfonds FWF forderte.
Geht es nach den Experten, wären durch Studienbeiträge, mehr Mittel aus der Wirtschaft und Beteiligung der Länder insgesamt 790 Mio. Euro zu holen. Ein Teil davon soll auch eingenommen werden, indem ausländische Studenten an heimischen Hochschulen über Ausgleichszahlungen von deren Heimatländern finanziert werden sollen. Töchterle kündigte an, er wolle das Thema in der EU "zumindest aufs Tapet bringen" und wünschte sich gleichzeitig eine höhere Beteiligung der Länder.
Bis Ende 2011 soll der Hochschulplan in Grundzügen fertig sein, kündigte der Generalsekretär des Wissenschaftsministeriums, Friedrich Faulhammer an. Neben der Studienplatzfinanzierung soll er auch einen Bauleitplan und einen Forschungsinfrastrukturplan beinhalten. (APA/red, BIld APA)
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