11. August 2011 - 14:55 | DerOnlineTutor
Geht es nach Wolfgang Weissengruber, Gewerkschaftsvertreter der
Lehrenden an den Pädagogischen Hochschulen (PH), sollte die gemeinsame
Ausbildung für alle Pädagogen keinesfalls an den Unis angesiedelt
werden. Wegen der unterschiedlichen Dienstrechte - Kollektivverträge an
den autonomen Unis, Vertragsbediensteten-Gesetz an den vom Bund
verwalteten PH - wäre die Folge "eine Zwei-Klassen-Gesellschaft an
einer Einrichtung, die nicht gut funktionieren könnte", sagt der
Christgewerkschafter zur APA. Sein Wunsch: Die Schaffung von
eigenständigen, tertiären Institutionen, vergleichbar den
Fachhochschulen, die sich auf die Lehrerausbildung spezialisieren. Nach
einem längeren Entwicklungsprozess könnte auch eine Pädagogische
Universität herauskommen.

Eine Verlagerung
an die Unis, die bisher nur Lehrer für mittlere und höhere Schulen
ausbilden, würde aus seiner Sicht dazu führen, dass vor allem im bisher
von den PH verantworteten Pflichtschulbereich Praxisnähe verloren geht.
"Ich kann Fachwissen nachlesen, aber den richtigen Umgang mit Kindern
kann ich nur in der Praxis lernen." Eine Anbindung der PH-Lehrenden an
die Unis, etwa im Rahmen neuer Lehrerausbildungsfakultäten, sei derzeit
ohnehin nicht möglich. "Da müssten schon jetzt die rechtlichen
Voraussetzungen geschaffen werden."
Letztendlich entscheidet Politik
Im
Endeffekt werde die Frage, an welcher Einrichtung Lehrer ab 2013 ihr
Metier lernen, aber ohnehin politisch entschieden, so Weissengruber.
"Man kann nur hoffen, dass die Vernunft siegt." Optimistisch stimmt ihn
diesbezüglich, dass das Unterrichtsministerium signalisiert habe, mehr
Eigenständigkeit auch in der Pflichtschullehrerausbildung zu
unterstützen. Die Einschränkung, dass weiterhin Inhalte vom Ministerium
mitbestimmt werden sollen, begrüßt er. "Es braucht eine gewisse
Steuerung."
Einen ersten Schritt zu mehr
Eigenständigkeit machen die PH laut Plan des Unterrichtsministeriums
schon 2012: Dann soll nämlich das neue Dienstrecht für die PH-Lehrenden
in Kraft treten - auch wenn die Zukunft der Einrichtung angesichts der
neuen Lehrer-Ausbildung noch völlig ungewiss ist. Bis Ende August
sollen sich Bundeskanzleramt und Gewerkschaft auf einen Entwurf
einigen. Der angepeilte Termin dürfte aus Sicht des Gewerkschafters
jedoch schwer halten. Wegen der notwendigen umfangreichen Umstellungen
beim komplizierten Verwaltungsprogramm PH-Online scheint ihm 2013
realistischer.
Prinzipiell ist er zwar
zufrieden mit den dem vorliegenden Entwurf: "Ich sehe es nicht als
Verschlechterung, es gibt uns sehr viele Freiheiten." Allerdings spießt
es sich noch bei einigen Punkten. Anders als bei den Verhandlungen um
das neue Lehrer-Dienstrecht machen weniger Geld- als inhaltliche Fragen
Probleme. Immerhin, so Weissengruber, betreffe das PH-Dienstrecht mit
2.000 Personen beim Stammpersonal nur eine relativ kleine Zahl. Zum
Vergleich: Das Pflichtschullehrer-Dienstrecht betrifft mehr als 66.000
Personen.
Raus aus "altem Lehrer-Denken"
Am
Ende der Verhandlungen soll eine "komplette Umstellung des
Dienstrechts" stehen, schildert Weissengruber. Das Ziel: Raus aus dem
"alten Lehrer-Denken" mit einer Abrechnung in Werteinheiten und
Mehrdienstleistungen hin zu einem sogenannten qualitativen
"Jahresmodell", in dem jeder Lehrende mit dem Rektor vereinbart,
welches Pensum an Lehre, Studentenbetreuung, Forschung und anderer
Arbeiten er im Laufe des Jahres erfüllen soll. Dabei soll u.a. erstmals
die Forschung der Lehre nicht mehr untergeordnet sein.
Eine
Urabstimmung unter den PH-Lehrenden zum neuen Dienstrecht wird es nicht
geben. Immerhin sei die Umstellung von Pädagogischen Akademien auf eine
tertiäre Einrichtung schon vier Jahre her und seit damals mussten die
PH "mit einem ungeeigneten Dienstrecht herumwursteln", kritisiert
Weissengruber. Ob alle PH-Lehrenden automatisch auf das neue
Dienstrecht umgestellt werden oder ob es ein Optionsrecht geben soll,
ist allerdings noch offen. (APA/red, Bild APA)
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